Island stimmte gegen die Wiederaufnahme der Verhandlungen über den Beitritt zur Europäischen Union ab. Dies geschah dreizehn Jahre nach der Unterbrechung der Gespräche. Die Umfrage ergab, dass 52,8 Prozent der Wähler den Vorschlag der Regierung ablehnten, während 47,2 Prozent zustimmten. Etwa 12.600 Stimmen trennten die beiden Lager.
Die Regierung der Zentrumspartei versprach eine Volksabstimmung bis 2027. Diese Frist wurde vorverlegt, bedingt durch internationale Spannungen, darunter die Drohungen des US-Präsidenten Donald Trump bezüglich Grönland. Die Debatte auf der Insel konzentrierte sich jedoch stärker auf die Fischereiindustrie als auf Sicherheitsbedenken.
Der Beitritt zur Union bedeutete für Island den Eintritt in den Zollunion und schließlich in den Euro. Island begann seine Beitrittsanfrage bereits 2009, im Zuge der Finanzkrise 2008 und des Zusammenbruchs des Bankensystems. Die Anwendung war bereits weit fortgeschritten, als eine euroskeptische Regierung 2013 an die Macht kam und die Gespräche aussetzte.
Ein zentrales Hindernis waren die Fischereirechte, die bis heute bestehen blieben. Die Fisch- und Meeresindustrie erwirtschaftete fast 40 Prozent der Exporte Islands. Viele Wähler befürchteten, dass sie durch die gemeinsame Fischereipolitik der Union Kontrolle über ihre lukrativen Fanggebiete abtreten würden.
Die Abstimmung befasste sich mit der Frage, ob Island die Verhandlungen mit der Europäischen Union wieder aufnehmen sollte. Eine Ja-Stimme bedeutete nicht den endgültigen Beitritt, sondern einen Schritt hin zu einem Beitrittsvertrag, der dann einer zweiten Volksabstimmung unterliegen würde. Eine Nein-Stimme schloss die Möglichkeit der Wiederaufnahme von Gesprächen in der Zukunft nicht aus. Obwohl wirtschaftliche Fragen die Abstimmung dominierten, spielten auch Sicherheitsbedenken eine Rolle. Island war Gründungsmitglied der NATO, besaß jedoch keine Armee und verließ sich auf seine Verbündeten für die Verteidigung. Die Regierung zeigte sich besorgt über russische maritime Manöver in der Nähe der Insel und die Interessen Trumps an der Übernahme Grönlands.