Die italienische Polizei zerschlug eine unterirdische Bank, die von Drogenkartellen als globaler Vermittler genutzt wurde. Über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren bewegten sich dabei mehrere hundert Millionen Euro. Die klandestine Bank hatte ihren logistischen Sitz in Prato, nordwestlich von Florenz, und wurde seit 2021 von einem chinesischen Staatsbürger geführt, berichteten die Behörden.
Die Operation diente als globaler Vermittler für organisierte Kriminalität. Sie bot sichere Kanäle für die Bezahlung immenser Drogenlieferungen an, ohne dass physische Bargeldbewegungen stattfanden. Zudem garantierte das System die vollständige Anonymität der finanziellen Ströme. Dieses Netzwerk ermöglichte den virtuellen Kapitaltransfer zwischen Italien, Spanien, Frankreich, Deutschland, Belgien und den Niederlanden durch eine Reihe von Vermittlern, welche eine Provision erhielten. Die Behörden stellten fest, dass dieses System jährlich zwischen 80 und 100 Millionen Euro bewegte.
Als Kunden der Bank dienten Drogenkartelle, wie beispielsweise albanische Schleuserorganisationen, die in Italien aktiv waren, sowie die italienische Mafia. Diese unauffälligen Geldtransfers, bekannt als „fliegendes Geld“, dienten italienischen kriminellen Organisationen für Zahlungen im Zusammenhang mit Drogen. Das schwer nachvollziehbare System erlaubte es einer Person, einen Vermittler in Italien zu bezahlen, welcher einen Agenten in einer anderen Region der Welt besaß, der den gleichen Betrag an den vorgesehenen Empfänger überbrachte.
Die Polizei verhaftete in Italien und Spanien 41 Personen, die mit dem Netzwerk in Verbindung standen. Die Anklagen reichten von krimineller Verschwörung und Drogenhandel bis hin zu Geldwäsche und der Beihilfe zu illegaler Migration. Ein Teil der Organisation verwaltete zudem ein lukratives Netzwerk für illegale Migration aus China. Dieses Netzwerk brachte Migranten nach Belgrad, bevor sie sie entweder durch bergiges Gelände zur Grenze Ungarns oder in die Europäische Union und schließlich nach Italien transportierten. Den Migranten wurden für die Reise nach Prato, Turin oder die Provinz Verona Bußgelder von bis zu 9.500 Euro auferlegt.
Prato, das Zentrum der italienischen Textilindustrie, beherbergte eine der größten chinesischen Gemeinschaften Europas. In jüngster Zeit war die Stadt ein Schauplatz von Konflikten zwischen rivalisierenden chinesischen Mafia-Gruppen, die um den Markt für Kleiderbügel und Frachttransport rangen. Die chinesische Mafia unterstützte die Textilindustrie – insbesondere den Fast-Fashion-Sektor – durch die Bereitstellung von Arbeitskräften verschiedener Nationalitäten. Diese Arbeiter wurden oft ausgebeutet, erhielten etwa drei Euro pro Stunde und arbeiteten dreizehn Stunden täglich sieben Tage die Woche, zeigten polizeiliche Ermittlungen.