Ein Erdbeben der Stärke 6,8 erschütterte am Dienstag Südjapan. Die Erschütterung, die um 16:27 Uhr auf der japanischen Shindo-Skala eine maximale Stärke von 7 erreichte, traf die Präfektur Kumamoto auf der südlichen Kyushu-Insel. Mehrere Menschen starben und neun Personen blieben vermisst. Hunderte von Menschen erlitten Verletzungen, und Strom- sowie Wasserversorgung wurden für Zehntausende lahmgelegt.
Rettungsteams begannen sofort mit der Suche nach Vermissten und der Bergung von Trümmern an Schlüsselstellen. An einem Standort, wo ein Schornstein zusammenbrach, fanden die Einsatzkräfte zwei Arbeiter, die in einem Zustand der Herzstillstand wurden und ins Krankenhaus gebracht wurden. Die japanische Armee mobilisierte dreitausendsechshundert Personal für die Katastrophenhilfe und sandte zwanzig Flugzeuge zur Schadensbegutachtung. Zudem reisten Hunderte von Ersthelfern aus benachbarten Präfekturen am Dienstagabend in die betroffenen Gebiete.
Die Japan Meteorological Agency warnte vor weiteren starken Beben und Erdrutschen in den betroffenen Gebieten. Dies resultierte aus der seismischen Aktivität, die durch das flache Erdbeben ausgelöst wurde. Bisher wurden über sechzig Nachbeben registriert, deren Stärke zwischen eins und vier lag. Obwohl eine Tsunami-Warnung unmittelbar nach dem Ereignis ausgesprochen wurde, wurde diese innerhalb von zwei Stunden aufgehoben.
Die Auswirkungen auf die Bevölkerung waren erheblich. Etwa fünfzigtausend Haushalte verließen am späten Dienstagabend den Strom, und ein Hundertvierzigtausend Haushalte litten unter Wasserknappheit. Die Temperaturen in der Region stiegen auf über 30 Grad Celsius, was die Gefahr von Hitzestress für Personen ohne Zugang zu Klimaanlagen und Wasser erhöhte. Viele Menschen schliefen die Nacht in ihren Autos, aus Angst vor Nachbeben.
Obwohl die Intensität des Erdbebens hoch war, brachen relativ wenige Gebäude ein. Dies zeugte von den strengen Bauvorschriften Japans, welche die Erdbebensicherheit neuer Bauten mehrmals über die letzten Jahrzehnte erhöhten. Ein Explosionen in einem Aeon-Einkaufszentrum wurde kurz nach dem Beben gemeldet, wobei Teile des Hauptgebäudes einstürzten und zwei Frauen starben. Die Ursache der Explosion blieb unklar, und die Behörden untersuchten einen Gasleck.
Die Infrastruktur erlitt erhebliche Beeinträchtigungen. Die JR Kyushu suspendierte den Betrieb ihrer Hochgeschwindigkeitszüge, und der Flughafen Kumamoto schloss seine Startbahn, da Fluggesellschaften Flüge umleiteten und annullierten. Telekommunikationsanbieter meldeten Störungen ihrer Mobilfunkdienste aufgrund von Strommangel und Ausfällen an Übertragungsleitungen. Mehr als dreihunderttausend Menschen wurden zu Evakuierungszentren angeordnet. Die Bevölkerung musste sich auf die anhaltenden Unsicherheiten einstellen, während die Behörden die vollständige Schadensaufnahme vorführten.