Der Bildungsminister Dharmendra Pradhan musste letzten Monat zurücktreten, nachdem wütende junge Demonstranten wegen wiederholter Lecks bei Aufnahmeprüfungen auf die Straße gingen. Sein Weggang ermöglichte Premierminister Narendra Modi, eine unmittelbare Krise zu überstehen, doch die Eindämmung der Unzufriedenheit der Jugend stellte sich als eine langfristige Herausforderung für seine Regierung heraus.
Die jungen Menschen äußerten ihre Frustration über ein System, das ihnen weder bessere Lebensperspektiven noch Bildung, die zu produktiver Beschäftigung führte, bieten konnte. Experten betonten, dass der Arbeitsmarkt in den letzten zehn Jahren brutal geworden war, da die Arbeitslosigkeit in den Nicht-Agrarsektoren stagnierte und die Reallöhne stagnierten. Ein Wirtschaftsexperte stellte fest, dass Indien ein gleichzeitig bestehendes Problem besaß: Die Wirtschaft war strukturell schwach, was die Nachfrage nach Arbeitskräften dämpfte, und das Bildungssystem versagte darin, neue, beschäftigungsfähige Arbeitskräfte zu liefern.
Obwohl das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts durch massive staatliche Infrastrukturinvestitionen Kritik an der ungleichmäßigen Entwicklung Indiens abwehren konnte, deuteten die jüngsten Aufruhrereignisse darauf hin, dass die Regierung sich endlich der Krise in Bildung und der Herausforderung der Jugendarbeitslosigkeit stellen musste. Die rasche Zunahme des Wohlfahrtsstaates, insbesondere durch direkte Geldtransfers, signalisierte, dass die Regierung das Problem zumindest privat erkannt hatte.
Indien besaß mit über 360 Millionen jungen Menschen zwischen 15 und 29 Jahren die größte Jugendpopulation der Welt. Obwohl die Einschreibungszahlen in Bildung und die Anzahl privater Colleges sowie beruflicher Ausbildungsstätten exponentiell gestiegen waren, blieb der Übergang von der Bildung in den Arbeitsmarkt eine große Hürde für Absolventen. Die Arbeitslosenquoten unter jungen Menschen lagen fast viermal höher als bei Nicht-Jugendlichen und deutlich über den globalen Durchschnittswerten.
Die Problematik war nicht neu. Die Arbeitslosigkeit von Hochschulabsolventen lag seit fünfundzwanzig Jahren bei etwa 35 bis 40 Prozent. Diese Zahl wurde durch den demografischen Anstieg und verbesserte Bildungsleistungen jedoch verstärkt. Während die Zahl der Absolventen stieg, wuchs die Beschäftigung nicht proportional. Es gab kaum Beweise dafür, dass Ambitionen belohnt wurden; nur wenige Absolventen fanden weiße Bürojobs oder dauerhafte Angestelltenpositionen. Dies zeigte, dass die Qualität der Bildung die Beschäftigungsfähigkeit beeinträchtigte.
Ein weiterer Faktor war die Veränderung der Joblandschaft durch die künstliche Intelligenz. Schätzungen von Wall Street Bank Goldman Sachs deuteten darauf hin, dass acht bis zwölf Prozent der nicht-landwirtschaftlichen Arbeitsplätze in Indien durch künstliche Intelligenz ersetzt werden könnten. Die Nachfrage nach IT-Fachkräften stieg zwar, aber die Unsicherheit bei Vertragsarbeit wuchs, und die traditionellen wissensbasierten Berufe, auf die indische STEM-Absolventen gesetzt hatten, verschwanden. Die Bildungseinrichtungen mussten sich daher von rein wissensbasiertem Lernen zu beruflicher Qualifikation wandeln, da die Anforderungen an die Arbeitskräfte sich grundlegend veränderten. Die junge Generation musste sich somit auf eine neue Realität einstellen, in der traditionelle Berufe wie Installateure und Mechaniker wichtiger wurden als die Erwartung eines komfortablen Büroberufs.