Forschende der Universität Toronto stellten eine neue Methode zur Erfassung von Mobilfunkaktivitäten vor, welche einen Einbruch der kanadischen Besucher in die grossen Metropolregionen der Vereinigten Staaten aufzeigte. Die Analyse ergab einen Medianrückgang von ungefähr 42 Prozent bei den kanadischen Besuchen in US-Metropolgebiete über einen Zeitraum von einem Jahr. Diese Zahl übertraf die offiziellen Daten der Grenzüberschreitungen deutlich, welche lediglich einen Rückgang von etwa 25 Prozent verzeichneten.
Die Forschungsergebnisse deuteten darauf hin, dass Kanadier während der zweiten Amtszeit von Donald Trump vermehrt zögerten, US-Städte zu besuchen. Diese Verhaltensänderung resultierte aus den verstärkten Migrationskontrollmassnahmen und den Grenzkontrollen. Zudem beeinflussten die Tarife, die die Vereinigten Staaten auf bestimmte kanadische Güter verhängten, sowie die Drohungen, Kanada als einen neuen Staat zu behandeln, die Reisebereitschaft erheblich. Die Wirtschaften der US-Grenzübergangsstädte, die stark von dem kanadischen Transit abhängig waren, erlebten dadurch einen starken Abschwung.
Der Rückgang betraf nicht nur die touristischen Ziele, sondern auch spezifische Städte und Regionen. Es wurden deutliche Abnahmen bei den Besuchen in Staaten wie New York, New Hampshire und Vermont festgestellt. Auch grosse touristische Anziehungspunkte wie Las Vegas und Walt Disney World verzeichneten einen Rückgang. Besonders betroffen waren zudem Winterrecreation-Gebiete, einschliesslich Floridas, welches typischerweise ein zentrales Ziel für Kanadier zur Überwinterung darstellte.
Die Forscher analysierten die Bewegungsdaten kanadischer Geräte, die zwischen dem 1. April 2024 und dem 31. März 2026 in US-Metropolregionen reisten. Als mögliche Erklärung für die Diskrepanz zwischen den 42 Prozent und den Grenzübergangsschätzungen nahmen die Wissenschaftler an, dass die Mobilfunkdaten auch Frachtverkehr erfassten. Diese Daten ermöglichten es, Veränderungen bei Kanadiern zu verfolgen, die zuvor in den Vereinigten Staaten lebten, was auf eine Rückwanderung nach Kanada hindeutete.
Die Forschenden betonten, dass die Abnahme nicht nur auf Touristen zurückzuführen war, sondern auch auf Geschäftsreisen. Hochtechnologische und finanzielle Zentren wie San Francisco und Houston erlebten eine Reduktionen sowohl bei Touristen als auch bei Geschäftsreisen. Dies spiegelte die sich ändernden Reisepräferenzen wider, welche durch die allgemeinen wirtschaftlichen Unsicherheiten auf beiden Seiten der Grenze bedingt waren. Karen Chapple, Direktorin der School of Cities an der Universität Toronto, bemerkte insbesondere den Rückgang der Reisen nach Grand Rapids, Michigan, da diese Stadt durch die Automobilindustrie tief in die wirtschaftlichen Verbindungen zu Ontario eingebunden war. Die Handelshemmnisse führten dazu, dass weniger Kanadier dorthin reisten.