Ein Queenslander erfuhr hohe Gewinne aus einer Kryptowährungs-Handelsanwendung. Innerhalb weniger Tage nach dem Klicken auf eine Werbeanzeige für eine solche App stieg seine Anzeigetafel mit Gewinnen. Der Investitionsgewinn bestand lediglich darin, die Anwendung und die zugehörige Browsererweiterung herunterzuladen und mit seinem digitalen Geldbörsel zu verknüpfen. Doch dann begannen die Verluste. Unautorisierte Überweisungen flossen aus seinem digitalen Portemonnaie, und er verlor mehr als 166.000 Dollar. Als er versuchte, den Kundensupport zu kontaktieren, fand er lediglich einen einfachen Chatbot. Erst in diesem Moment erkannte er, dass er Opfer eines durch künstliche Intelligenz konstruierten Anlagebetrugs geworden war.
Daten aus Scamwatch zeigten, dass Australier bis dato mehr als 45 Millionen Dollar an betrügerischen Anlageplänen verloren hatten. Dies entsprach über 160 Millionen Dollar an gemeldeten Verlusten im Vorjahr. Experten erklärten, dass künstliche Intelligenz die administrativen Arbeiten, die für die Durchführung effektiver Anlagebetrügereien nötig waren, signifikant reduzierte. Sie ersetzten Anrufe und isolierte Phishing-E-Mails durch ganze Betrugssysteme. Dr. Marco Navone, Professor für Finanzwissenschaften an der University of Technology Sydney, bemerkte, dass traditionelle Warnsignale nicht mehr anwendbar waren. Kriminelle Netzwerke konnten nun hyperrealistische, lokalisierte Medien, gefälschte Nachrichtenartikel und synthetische Bewertungen in großem Umfang einsetzen. Früher kam der Verdacht oft von einer billigen Webseite oder einer Telefonnummer, die eine Mobilnummer statt einer offiziellen Nummer zeigte. Diese kleinen Inkonsistenzen waren nun verschwunden, insbesondere wenn Betrüger verwundbare Bevölkerungsgruppen anzielten.
Die australische Bundespolizei erklärte, dass Betrüger Stimmen aus wenigen Sekunden Audio klonen konnten, überzeugende Tiefstkopien erzeugten und Tausende personalisierter Nachrichten basierend auf dem Standort und der Online-Historie eines Opfers versendeten. Anlagebetrugs, die durch künstliche Intelligenz generiert wurden, boten oft Zugang zu einem „Finanzberater“ mit australischem oder englischem Akzent. Während die australische Wertpapier- und Investitionskommission nahezu 12.000 Betrugswebseiten im Jahr 2025 deaktivierte, umgingen Betrüger die Entfernung häufig mittels „Verdeckungs“-Technologie. Cyberkriminalitätsgruppen integrierten künstliche Intelligenz in nahezu jede operative Phase. Dr. Andrew Childs, ein Kriminologie-Dozent an der Griffith University, betonte, dass Täter ein gesamtes Umfeld konstruieren konnten, in dem jedes Element das andere bestätigte. Digitale Plattformen teilten die Verantwortung: Sie waren nicht passive Speicher, sondern empfahlen und verbreiteten gezielt Werbung an Nutzer, die wahrscheinlich mit ihr interagierten.
Navone forderte, dass digitale Plattformen rechtlich zur Verantwortung gezogen werden sollten und verpflichtet werden müssten, die Lizenzierung der australischen Finanzdienstleistungen vor der Veröffentlichung von Anlageanzeigen zu überprüfen. Ein Bericht des Australian Institute of Criminology aus dem Jahr 2026 zeigte, dass über 49 Prozent der Australier befürchteten, Opfer von KI-bezogenen Verbrechen zu werden, wobei 43 Prozent die KI-Impersonation als direkte Bedrohung identifizierten. Die Behörden entwickelten einen nationalen Rahmen zur Prävention von Betrug, der die Banken, Telekommunikationsanbieter und digitale Plattformen zur Verbesserung der KI-Betrugserkennung verpflichtete. Experten forderten zudem strengere Überwachung, darunter obligatorische Bestätigungssysteme für Zahlungen und Verzögerungen bei Hochrisikoüberweisungen. Navone warnte davor, dass künftige Entwicklungen eine neue Gefahr darstellten: Die künstlichen Intelligenz-Tools selbst wurden zum Ziel von Sozialtechnik und Finanzbetrügereien. Um sich zu schützen, sollten Nutzer immer die aktive Lizenz eines Anbieters im Register der ASIC überprüfen und niemals auf Links in Anzeigen klicken. Bei Kompromittierung sollten Bankkonten sofort gesperrt und die Polizei sowie Scamwatch informiert werden.