Fast hundert Kinder wurden im Rahmen des Abkommens zwischen dem Vereinigten Königreich und Frankreich fälschlicherweise als Erwachsene inhaftiert. Diese Fälle resultierten aus der sogenannten „eins zu eins“-Regelung, die es dem Vereinigten Königreich erlaubte, Personen, die per kleinen Booten ankamen, zurück nach Frankreich zu senden, wenn sie einen legitimen Anspruch besaßen. Berichten zufolge wurden bei dieser Regelung über 300 Fälle von Altersstreitigkeiten festgestellt, von denen 31 Prozent – neunundneunzig Fälle – als Minderjährige identifiziert wurden. Die unabhängigen Überwachungsgremien äußerten tiefe Besorgnis darüber, dass die Kinderschutzmechanismen in diesem Prozess wirkungslos blieben.
Die Kritik richtete sich gegen die Verfahrensdauer und die Bedingungen der Inhaftierung. Einige Personen, die unter dem Schema festgehalten wurden, warteten auf die Ausweisung für mehr als sechs Monate, obwohl sie nur für maximal 28 Tage in „außergewöhnlichen Fällen“ festgehalten werden durften. Zudem wurden Personen, die an Tuberkulose litten oder eine Krankenhausbehandlung benötigten, für die Entfernung nach Frankreich vorbereitet. Es zeigte sich, dass die Verfahren zur Altersfeststellung überzogen langwierig waren; in einigen Fällen dauerte die Beurteilung der Altersfrage über 40 Tage ab der Ankunft im Migrationsabfertigungszentrum.
Die Überwachungsgremien bemängelten zudem die mangelnde Sorgfalt bei der Behandlung der Inhaftierten. Es gab Hinweise auf mangelnde Gesundheitsuntersuchungen, beispielsweise bei Fällen von Tuberkulose, und einige Personen wurden aufgrund ihres kritischen Gesundheitszustandes direkt in Krankenhäuser verwiesen. Es wurde festgestellt, dass Personen über lange Zeiträume festgehalten wurden, obwohl das Schema auf eine schnelle Abwicklung ausgelegt war. Diese Situation verstärkte die Sorge, dass besonders vulnerable, neu angekommene Personen, darunter Kinder und Überlebende von Missbrauch, in einer gefährlichen Lage befanden.
Der Flüchtlingsrat bezeichnete die Zahlen als „besorgniserregend“ und betonte, dass Flüchtlingskinder zu oft als Erwachsene behandelt wurden und somit Gefahr litten, Missbrauch, Vernachlässigung und erhebliche Schutzrisiken ausgesetzt zu sein. Es wurde dringend gefordert, professionelle Gutachten durch ausgebildete Sozialarbeiter zu priorisieren, um das Alter korrekt festzustellen und somit diese Risiken zu vermeiden. Die Behörden versicherten, dass robuste Altersfeststellungen unerlässlich seien, um die Integrität der Grenze zu wahren und angemessenen Schutz sowie Zugang zu Dienstleistungen zu gewährleisten. Es wurde angekündigt, den Prozess durch den Einsatz modernster künstlicher Intelligenz in den kommenden Jahren zu stärken und zu modernisieren.