Jemen erlebte eine Eskalation des Bürgerkriegs, die das Leben von Kindern in Taiz dramatisch veränderte. Täglich mussten Kinder wie Rafeef und ihr Bruder ihre Schulwege in einer Umgebung absolvieren, die von militärischen Konflikten beherrscht wurde. Ihre Bildungsmöglichkeiten standen somit in unmittelbarer Gefahr, da ihre Schule auf einem Berg am Rande eines sogenannten Niemandslandes lag, einem stark umkämpften Frontgebiet im Bürgerkrieg zwischen den vom internationalen Staat anerkannten Kräften und den von den Jemeniten unterstützten Houthi-Truppen.
Die Situation in Taiz war durch anhaltende Kämpfe gekennzeichnet. Auf einer Seite der Schule herrschte die Kontrolle der Regierungstruppen, auf der anderen positionierten sich Houthi-Schützenstellungen. Rafeef musste bei jedem Schulbesuch bergauf gehen, den Rücken den Schützen zugewandt. Die ständige Bedrohung durch Scharfschützen und Raketen stellte eine alltägliche Realität dar, die die Sicherheit der Kinder massiv beeinträchtigte.
Die Zahlen des Konflikts verdeutlichten die Tragweite der Lage. Bereits vor der jüngsten Eskalation waren Millionen von Kindern in Jemen außer Schule. Seit Beginn des Krieges im Jahr 2014 starben oder wurden Tausende von Kindern verletzt oder behindert, während weitere Tausende von Jugendlichen auf beiden Seiten der Konfliktparteien rekrutiert wurden. Trotz dieser extremen Risiken weigerte sich Rafeef, die Schule zu verlassen, da sie die Begegnung mit ihren Freunden und die Chance auf eine bessere Zukunft suchte. Ihre Eltern erlaubten ihr den Aufenthalt außerhalb der Schule nur, weil sie ihre Bildung und die Aussicht auf ein besseres Leben für sie wünschten.
Die Gefahr manifestierte sich konkret. Rafeefs Familie zog neun Jahre zuvor aus der Küstenstadt Hudaydah nach Taiz, um Schutz zu suchen, als die Houthi die Kontrolle über diese Region erlangten. Zwei Jahre zuvor traf ein Granatangriff in ihrer neuen Heimat, der Rafeefs Arm brach und hinterließ eine Narbe. Die Intensität des Konflikts nahm in jüngster Zeit zu, als die Houthi eine lebenswichtige Versorgungsroute von Taiz nach Aden abschneiden konnten, was die Möglichkeit einer Besetzung der Stadt erhöhte.
Die Folgen der Gewalt waren verheerend. Ein Kind namens Ahmed starb bei einem Granatriff, als Splitter in sein Herz eindrang. Ein anderer Junge, Amjad, wurde bei einem Angriff auf einen Mechanikerladen verletzt, wobei Splitter in seine Lunge und seinen Bauch traf. Seine Behandlung erforderte intensive Pflege, und seine Familie erlebte eine schwere Krise. Die Ärztinnen und Ärzte äußerten ihre tiefe Angst vor den Verlusten und drückten den Wunsch nach Frieden und Sicherheit aus. Die Routine der Gefahr wurde für die Lehrerinnen und Lehrer beunruhigend, da die Zukunft der Kinder und die Sicherheit im Alltag ungewiss blieben.