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Wissenschaft

Kinderarzt in Deutschland wegen sexueller Übergriffe angeklagt

Anklage wegen 130 Vergehen: Kliniksysteme gerieten unter Druck

Deutsche Staatsanwaltschaften verhängten gegen einen Kinderarzt 130 Anklagen wegen sexueller Übergriffe, darunter der Vergewaltigung von Kindern. Die Vorwürfe betrafen überwiegend Patienten, die in seiner Obhut waren, und lösten Schockwellen aus, welche die Kliniken dazu veranlaßen, ihre Schutzmaßnahmen zu verschärfen. Der 46-jährige Arzt, dessen Name nicht veröffentlicht wurde, befand sich seit November in Untersuchungshaft, nachdem eine Mutter den Verdacht hatte, dass ihr Kind angegriffen worden war und die Behörden informiert hatte. Der Arzt arbeitete in Kliniken im Bundesland Brandenburg, das sich um Berlin herum erstreckte.

Die Staatsanwaltschaft gab an, dass die mutmaßlichen Verbrechen zwischen 2013 und 2025 begangen worden seien. Die genaue Anzahl der Kinder, die möglicherweise misshandelt wurden, spezifizierte die Behörde nicht. In einer Erklärung in der Hauptstadt Potsdam verkündeten die Staatsanwaltschaften, dass der Angeklagte wegen Vergehen gegen die sexuelle Autonomie in insgesamt 130 Fällen angeklagt wurde. Diese umfassten Vorwürfe schwerer sexueller Misshandlung von Kindern sowie Vergewaltigung.

Es wurde behauptet, dass der Arzt die meisten Vergehen „im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit“ in Kliniken begangen habe, die von der Havelland-Gesundheitsgruppe in den Brandenburger Städten Rathenow und Nauen betrieben wurden. Die Aussage betonte, dass der Angeklagte in der Anklagephase in Untersuchungshaft blieb, und die Anklage wurde am 6. Mai eingeleitet. Zu diesem Zeitpunkt nahmen die Ermittler Datenspeichergeräte mit, die relevante Bilder enthielten.

Nachdem der Fall im Januar öffentlich wurde, leitete die Havelland-Kliniken-Gruppe eine interne Überprüfung mit Experten ein. Es stellte sich heraus, dass das „Vier-Augen-Protokoll“, welches die Anwesenheit von zwei Personen bei der Untersuchung eines Kindes vorschrieb, nicht immer eingehalten worden sei. Der medizinische Direktor der Gruppe, Mike Lehsnau, betonte, dass die Anschuldigungen das Vertrauen von Patienten und deren Familien untergruben.

Im Zuge der Verhängung der Anklagen veröffentlichte die Klinikgruppe eine zweite Stellungnahme und versprach, die Staatsanwaltschaften vollumfänglich zu unterstützen und relevante Informationen zur Verfügung zu stellen. Die Gruppe drückte ihr Mitgefühl für alle Patienten aus, die möglicherweise geschädigt worden seien, sowie für ihre Familien.

Parallel dazu erlebte das französische Justizsystem eine ähnliche Debatte. Letzten Mai verurteilte ein ehemaliger Chirurg im Alter von 74 Jahren nach einem dreimonatigen Prozess 20 Jahre Haft wegen sexueller Misshandlung von Hunderten von Patienten, die meisten davon unter fünfzehn Jahren. Dies stellte den größten Kindesmissbrauchsprozess in der Geschichte des Landes dar. Der Urteil verstärkte den Druck auf die französische Regierung, Mängel im Gesundheits- und Justizsystem zu beheben.

JustizKinderrechteMedizinDeutschlandFrankreich

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