Eine elfjährige Lyhanna wurde zwei Wochen zuvor in Südwestfrankreich ermordet. Die Hinterbliebenen versammelten sich in der Kleinstadt Fleurance, 50 Kilometer westlich von Toulouse, für eine Beerdigung. Die öffentliche Empörung richtete sich gegen die mangelhaften Leistungen der Polizei, welche den Verdächtigen auf freiem Fuß ließen.
Der Mord löste eine Welle der Empörung in ganz Frankreich aus, als bekannt wurde, dass Jérôme Barella, 41 Jahre alt, neun Monate zuvor wegen angeblicher sexueller Übergriffe auf ein zehnjähriges Kind angezeigt worden war. Trotz dieser Vorwürfe wurde Barella von den Ermittlern nicht einmal befragt. US-Behörden hatten die französischen Polizei alarmiert, nachdem Barella-Online-Aktivitäten auf mögliche Bilder von Kindesmissbrauch hindeuteten. Die französische nationale Abteilung für Minderjährige (OFMIN) beurteilte das Signal als „schwach“, da sie jährlich etwa dreihunderttausend Signale empfing.
Zusätzlich traten neue Anschuldigungen gegen Barella’s Vater und Bruder auf. Barella’s Bruder Yannick wurde wegen Vergewaltigung untersucht, nachdem zwei Frauen Anzeige erstattet hatten, eine davon war zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Tat minderjährig. Der Bruder wurde diese Anschuldigungen bestritten und klagte gegen die Verleumdung. Auch Barella’s Vater wurde in Béziers wegen des Verdachts der sexuellen Misshandlung einer Enkelin untersucht, wobei er die Vorwürfe stets dementierte.
Die Verbindung zwischen dem Täter und dem Opfer wurde durch die Tatsache verstärkt, dass Barella’s Tochter Lyhanna’s Freund war und sie am Tag ihrer Vermisung in seinem Auto gesehen wurde. Der schreckliche Mord entpuppte sich als nationaler Skandal, als die Dimension der offiziellen Fehler, die Barella in Freiheit hinterließen, erkannt wurde.
Minister Gérald Darmanin wehrte sich gegen Forderungen nach seiner Rücktritt. Er erklärte, dass die Fehler vor Lyhanna’s Mord nicht auf einen Mangel an Ressourcen zurückzuführen seien, sondern auf das Versagen, einer ernsten Angelegenheit die notwendige Priorität einzuräumen. Premierminister Sébastien Lecornu versprach, das Gesetz durch längere Haftstrafen für Kindermörder und zeitliche Begrenzungen für Ermittlungen bei Vergehen gegen Minderjährige zu verschärfen.
Aktivistische Gruppen forderten jedoch eine neue, umfassende Gesetzgebung gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen und Kinder sowie eine neue Budgetlinie von zweieinhalb Milliarden Euro zur Umsetzung. Sie versprachen, monatlich Demonstrationen vor Gerichten durchzuführen. Sie betonten, dass strukturelle Veränderungen notwendig seien, um die Rechtsstaatlichkeit zu stärken.