Scharfe Auseinandersetzungen entfachten zwischen Insassen und Sicherheitskräften in einer Gefängnisanstalt im venezolanischen Bundesstaat Barinas. Zusätzliche Sicherheitskräfte wurden in die Haftanstalt entsandt, nachdem die Gefangenen auf das Dach kletterten und Matratzen verbrannten, um gegen die mutmaßliche Misshandlung zu protestieren. Zeugen berichteten von Explosionen, und die Insassen gaben an, dass sie angeschossen worden seien.
Organisationen, welche die Rechte der Gefangenen befürworteten, hatten lange Zeit die elenden Zustände in vielen venezolanischen Haftanstalten verurteilt. Die Organisation Venezolanische Gefängnisbeobachtung (OVP) teilte mit, dass die Insassen der Haftanstalt, bekannt als Injuba, seit über einer Woche über ihre Behandlung unter dem neuen Direktor beschwerten. Sie behaupteten, sie seien gewaltsam durchsucht worden, in Einzelhaft gehalten und misshandelt worden.
In Aufnahmen, die von der OVP veröffentlicht wurden, sahen Gruppen von Insassen auf dem Dach protestieren, wobei einige Matratzen verbrannten. In einem Video zeigte ein Mann Verletzungen an seinem Oberkörper und seinem Arm, während ein anderer Mann rief: „Sie schießen auf uns.“ In einer weiteren Aufnahme, die von der OVP geteilt wurde, adressierte eine Frau mit dunklen Sonnenbrillen und einer Gesichtsmaske den Direktorin direkt und forderte die Kündigung des Ministers für Gefängnisse sowie des Direktors von Injuba. Sie betonten, dass ihr Protest friedlich sei, und nannten als Forderungen Medikamente für Gefangene mit Tuberkulose.
Die OVP hob lange Zeit die mangelhaften Bedingungen in den venezolanischen Gefängnissen hervor und warnte davor, dass viele die Mindeststandards erfüllten, welche durch das Gesetz garantiert werden sollten. Während die Vereinigten Staaten den venezolanischen Führer Nicolás Maduro im Januar 2023 in einer Militäroperation in der Hauptstadt Caracas festnahmen, führten der Druck der USA zur Freilassung Hunderter politischer Gefangener. Dennoch blieben über 400 Personen inhaftiert, wie die Interessengruppe Foro Penal berichtete.
Das Komitee für die Freiheit politischer Gefangener Venezuelas drückte seine Solidarität mit den Insassen in Injuba aus und behauptete, dass „Bestrafung, Hunger, Einzelhaft, Folter und unmenschliche Bedingungen“ zur Kontrolle und Unterwerfung der Gefangenen eingesetzt wurden und „Teil der Haftpolitik bildeten“. Im März äußerte der UN-Hohekommissar für Menschenrechte, Volker Türk, dass sein Büro Berichte empfing, welche die Behauptungen bestätigten, dass Häftlinge nach Maduros Absetzung durch die USA weiterhin in Venezuela gefoltert wurden.