Deutschland stand vor einer tiefgreifenden Entscheidung bezüglich seiner Stromversorgung. Das Ziel des Kohleausstiegs, das in Deutschland als „Kohleausstieg“ bezeichnet wurde, stand im Konflikt mit neuen wirtschaftlichen und geopolitischen Realitäten. Obwohl Deutschland bereits mehr als die Hälfte seines Stroms aus erneuerbaren Quellen generierte, verlangte die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen eine Neubewertung der Strategie. Die Diskussion drehte sich darum, ob die geplanten Ausstiegspläne realistisch blieben oder ob eine Verlängerung der Nutzung der Kohle zur Sicherung der Energieversorgung notwendig wurde.
Die deutsche Energiepolitik sah sich einem zweifachen Problem gegenüber: der Verfügbarkeit und dem Preis der Brennstoffe. Deutschland besaß eine große Menge an günstigem, leicht verfügbarem Steinkohle, welche die größten innerdeutschen Vorkommen und die drittgrößten Reserven Europas umfasste. Diese Selbstversorgung im Brennstoffbereich machte die Umstellung auf billigere Steinkohle finanziell attraktiv, insbesondere angesichts des Anstiegs der globalen Gaspreise. Im Gegensatz dazu musste das Land jedoch 95 Prozent seiner Erdgaslieferungen importieren. Die steigenden Kosten für Gas machten den Wechsel zurück zur günstigeren Steinkohle für viele Akteure sehr verlockend.
Einige Akteure, darunter Energieunternehmen, äußerten sich positiv gegenüber einer möglichen Erleichterung. Sie betonten, dass die Bundesregierung die langfristige Versorgungssicherheit im Zentrum ihrer Energiepolitik sah. Sie hoben hervor, dass die Lagerbestände der Steinkohle zur Kompensation des russischen Gasimports genutzt wurden. Demgegenüber argumentierten Umweltforscher dagegen, dass eine weitere Erhöhung der Nutzung erneuerbarer Energien die einzig richtige Antwort sei. Die Industrie forderte hingegen eine klare Entscheidung bezüglich Gas oder Kohle, da allein erneuerbare Energien die notwendige Zuverlässigkeit nicht garantieren konnten.
Ein möglicher Kompromiss betraf sechs Kohlekraftwerke, die importierte, weniger belastende Hartholzkohle nutzten. Diese Anlagen dienten derzeit lediglich als Rückfalleinrichtung zur Stabilisierung des Netzes bei Kälte. Die Eigentümer forderten die Erlaubnis, diese Anlagen kontinuierlich zu betreiben, um die Versorgungssicherheit und die Kostenkontrolle zu stärken. Eine parlamentarische Kommission untersuchte diese Möglichkeit. Die Regierung musste nun entscheiden, ob die Frist für den Ausstieg bis 2030 eingehalten wurde oder ob bestimmte Kapazitäten als strategische Reserve beibehalten wurden.
Die politische Lage blieb gespalten. Die SPD warnte davor, dass eine Lockerung der Regeln für die Kohle den Übergang zur Energiewende behinderte und neue Abhängigkeiten schuf. Die CDU/CSU hingegen betonte, dass Deutschland als Industrienation alles tun müsse, um die Erschwinglichkeit der Energie zu gewährleisten. Die Regierung musste somit entscheiden, ob sie den Ausstiegszeitplan respektierte oder eine strategische Reserve für die Kohle zuließ.