In Kolumbien wurde die weibliche Genitalverstümmelung (VGV) letzte Woche illegal erklärt. Dies stellte einen bedeutenden Fortschritt dar, da das Gesetz einstimmig im Kongress verabschiedet wurde und einen langen Kampf gegen diese gefährliche und oft geheime Praxis beendete. Die Entscheidung markierte einen Wendepunkt in der Region, die sich dem Kampf gegen körperliche Gewalt widmete.
Die Geschichte der Verbotspolitik ist eng mit persönlichen Erfahrungen verknüpft. Eine Aktivistin berichtete von der Situation ihrer Großmutter, die ihr Baby vor der Verstümmelung aussetzte. Die Mutter der Aktivistin versuchte, die Schmerzen des Babys durch pflanzliche Mittel zu lindern, doch die ältere Frau weigerte sich, die Situation zu ändern und erklärte, dass dies normal sei. Diese Erfahrung verdeutlichte die tiefgreifenden sozialen und kulturellen Strukturen, die solche Praktiken in bestimmten Gemeinschaften festschrieben.
Die VGV bezeichnet die teilweise oder vollständige Entfernung der äußeren weiblichen Genitalien sowie andere Verletzungen dieser Organe aus nicht medizinischen Gründen. Diese Praxis verursachte erhebliche gesundheitliche Folgen, darunter Blutungen, Infektionen und langfristige Komplikationen während der Menstruation und der Geburt. Die Weltgesundheitsorganisation schätzte, dass weltweit über 230 Millionen Mädchen und Frauen bereits betroffen waren, wobei die Mehrheit in Afrika lebte.
In der Emberá-Gemeinschaft, einer der größten indigenen Gemeinschaften Kolumbiens, wird die Praxis weiterhin ausgeübt. Theorien über die Ursprünge der VGV reichen von der Einführung durch Sklaven aus afrikanischen Ländern bis hin zu älteren Überzeugungen über die Angst vor dem Penis bei intersexuellen Kindern. Dennoch lehnen Vertreter der indigenen Gemeinschaft die Vorstellung ab, dass die Praxis rein kulturell begründet sei. Sie betonten, dass Kultur keine Tötung darstellte und dass die Gemeinschaft ihre eigene Identität bewahre.
Die Aktivistin, die das Verbot vorantrieb, erlebte jedoch auch erhebliche Widerstände. Sie berichtete von Drohungen, insbesondere von Männern, und von der Schwierigkeit, Hilfe zu erhalten, da Frauen oft nicht in der Lage waren, medizinische Unterstützung zu suchen. Es zeigte sich, dass der gesellschaftliche Wandel tiefgreifende Gespräche erforderte, um die Akzeptanz einer anderen Lebensweise zu fördern. Der Dialog über den eigenen Körper und die Möglichkeit, darüber zu sprechen, ohne Scham, erwies sich als unerlässlich für die zukünftige Entwicklung der Gemeinschaft.