Globale Marken wie Amazon, Ericsson und Sony standen im Verdacht, Mineralien zu beziehen, die mit einer Miliz in Verbindung standen, welche Verbrechen in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) verübt hatte. Eine neue Untersuchung behauptete, dass diese Unternehmen, ob bewusst oder unbewusst, Coltan aus Minen erwarben, die von der M23-Miliz besetzt waren und in Ost-DRC zahlreiche Gräueltaten begangen hatte.
Das Coltan, welches für die Herstellung von Mobiltelefonen und Computern unerlässlich war, wurde über die Grenze nach Ruanda geschmuggelt und von Exportunternehmen großer Firmen weitergeleitet. Eine jahrelange Untersuchung von Global Witness legte dar, dass dieses entscheidende Mineral wahrscheinlich auch in die Produkte internationaler Marken wie Microsoft, Toyota, Nvidia und Vodafone gelangt war.
Die Untersuchung zeigte, dass die gelooteten Mineralien aus dem riesigen Gebiet Rubaya in der Provinz Nord-Kivu der DRC stammten, welches etwa fünfzehn Prozent des weltweiten Coltans enthielt. Die M23-Miliz, unterstützt durch bis zu 7.000 Ruandische Truppen, eroberte die Minen vor zwei Jahren und verlangte eine Abgabe pro Kilogramm Coltan.
Experten der Vereinten Nationen schätzten, dass die M23 monatlich fast 600.000 Pfund durch die Coltan-Steuer in Rubaya sammelten, welches zur Finanzierung ihrer Operationen diente. Die Miliz tötete Tausende und vertrieb Hunderttausende Zivilisten und verübte Vergewaltigungen und Verhaftungen mit Freifahrtschein. Ruanda lehnte die Unterstützung der Miliz jedoch ab.
Die Untersuchung stellte die Komplizenschaft von rwandischen Beamten in Frage. Es zeigte sich, dass große Mengen des Coltans nun über die Grenze nach Ruanda über die Grenzstadt Goma gelangten, welche die M23 im vergangenen Jahr übernommen hatte. Die Analyse von Handelsdaten und Zollunterlagen deutete darauf hin, dass Systeme zur Sorgfaltspflicht versagten, den Zusammenhang zwischen Konflikt und natürlichen Ressourcen aufzudecken.
Systeme zur Rückverfolgbarkeit, wie die Internationale Blei-Lieferkette-Initiative, sollten gewährleisten, dass Elektronik aus verantwortungsvollen Quellen stammte und Konfliktfinanzierung vermied. Global Witness besagte jedoch, dass diese Initiative das Konflikt-Coltan weitgehend nicht erkennen konnte. Sie warfen auch anderen Programmen, wie der Initiative für verantwortungsvolle Mineralien, vor, nicht in der Lage zu sein, Konflikt-Coltan in Lieferketten aufzuspüren.
Unternehmen wie Amazon und Ericsson versicherten, dass sie sich für verantwortungsvolle Mineralienbeschaffung einsetzten und Audits durchführten. Ericsson prüfte seine Lieferketten und stellte fest, dass zwei der genannten Anlagen in seinen Daten auftauchten und als konform mit den Richtlinien der Initiative für verantwortungsvolle Mineralien gelistet waren. Dennoch betonte die Untersuchung, dass die Unternehmen ihre Lieferketten nicht vollständig bereinigt hatten, was die Instabilität und das Leid der betroffenen Gemeinschaften weiter befeuerte.