Die Welt der Kryptowährungen bot den Milliardären die Möglichkeit, eine neue Ordnung zu gestalten, in der Geld direkt zur Stimmabgabe diente. In der sogenannten Freien Republik Liberland, einer digitalen Mikro-Nation, wurde diese Idee umgesetzt. Diese Entstehung, die auf einer bes disputeden Grenzregion zwischen Serbien und Kroatien stattfand, zeigte, dass politische Souveränität durch dezentrale Technologien ersetzt werden konnte. Liberland basierte auf der Technologie der Kryptowährungen und erlaubte es den Bürgern, ihre Stimme über einen handelbaren digitalen Wert abzugeben.
Der Präsident Liberlands, Vít Jedlička, gründete die Nation mit dem Ziel, ein wirklich libertäres, digitales Staatsgebiet zu schaffen. Er erklärte, dass Bürger durch die Anhäufung von Liberland-Merits, einem spezifischen Kryptowert, Einfluss auf die Führung der Regierung nehmen konnten. Dies bedeutete, dass die Menschen mit mehr digitalen Werten mehr Mitsprache bei der politischen Entscheidungsfindung besaßen. Zudem war Liberland vollständig steuerfrei, was die Idee der finanziellen Autonomie unterstrich.
Die Kritik an zentralisierten Machtstrukturen fand auch innerhalb der Nation Anklang. Der Innenminister Ivan Pernar betonte, dass die individuelle Freiheit nicht gleich verteilt sei. Er argumentierte, dass die Unterstützung der Armen durch staatliche Mittel eine Verletzung der individuellen Freiheit darstellte. Diese Haltung teilten die wohlhabenden Unterstützer Liberlands, die staatliche Besteuerung und zentrale Vermögensverteilung als Angriff auf ihre Freiheit betrachteten.
Der chinesische Kryptowalt Justin Sun spielte eine zentrale Rolle bei der Realisierung dieser Vision. Mit seiner Unterstützung und jener von etwa dreißig weiteren Technologie-Milliardären erlangten die Liberlander Zugang zu den Mitteln, die für den Bau ihrer digitalen Mikro-Nation notwendig waren. Sun, dessen Vermögen auf acht Milliarden fünfhundert Millionen Dollar geschätzt wurde, nutzte die Blockchain-Technologie seiner Firma Tron. Diese globale Softwarenetzwerk ermöglichte den Handel mit Kryptowährungen ohne zentrale Autorität, was die Besteuerung und Regulierung erschwerte.
Die Blockchain-Technologie diente nicht nur der Verwaltung der Liberland-Regierung, sondern bot auch eine Alternative zur traditionellen Staatsform. Bürger stimmten über Gesetze und Volksabstimmungen mittels digitaler Werte ab, wobei die Abstimmung durch den Code selbst automatisch gezählt und durchgesetzt wurde. Diese Entwicklung zeigte, dass die Vorstellung des Nationalstaates veraltet war und durch dezentrale Systeme ersetzt werden konnte. Viele dieser Experimente, wie die Draper Nation oder die Seasteading Institute, verfolgten dasselbe Ziel: die politische Macht durch Technologie zu ersetzen.
Die Kryptowelt hatte sich als die mächtigste Lobby in den Vereinigten Staaten etabliert. Die Beispiele Liberlands und der Visionen von Persönlichkeiten wie Justin Sun und Curtis Yarvin zeigten, dass die Kontrolle über die Technologie die eigentliche Machtquelle darstellte. Die Frage blieb jedoch offen, wem diese neue Kontrolle letztlich zugutekam und welche gesellschaftlichen Konsequenzen diese technologische Verschiebung mit sich brachte.