In Piñas, einer abgelegenen Siedlung in den Anden Süd-Ecuadors, lebten zwei Zwillinge, die eine seltene genetische Erkrankung trugen. Das Laron-Syndrom, eine Form der Wachstumshormon-Insensitivität, verhinderte bei den Betroffenen das Wachstum über 1,2 Meter. Die Geschwister betonten, dass die gemeinsame Erfahrung ihnen geholfen hatte, mit den Herausforderungen umzugehen.
Forscher untersuchten jedoch eine unerwartete Eigenschaft dieser Erkrankung. Sie vermuteten, dass das Laron-Syndrom einen Vorteil bieten könnte: Die Häufigkeit von Krankheiten wie Krebs und Diabetes lag bei Patienten mit Laron-Syndrom niedriger als in der allgemeinen Bevölkerung. Diese Beobachtung lieferte die Grundlage für die Hoffnung, dass die Forschung zu diesem Zustand neue Wege zur Krebsprävention eröffnen könnte.
Endokrinologen und Spezialisten analysierten die Ursache. Sie stellten fest, dass das Laron-Syndrom auf eine Mutation im Wachstumshormonrezeptor in der Leber zurückzuführen war. Diese Mutation verhinderte die Produktion des Insulin-like Growth Factor 1 (IGF-1), eines Hormons, das für das Wachstum essentiell ist. Die Theorie besagte, dass niedrige IGF-1-Spiegel die Krebszellen daran hinderten, abzutöten, ein Prozess, der als Apoptose bezeichnet wurde.
Ein Team von Wissenschaftlern führte eine Studie durch, die Hundert Laron-Patienten mit etwa 1.600 Personen normaler Größe verglich. Die Ergebnisse zeigten, dass die Aktivität des Wachstumshormons der entscheidende Faktor war. Die Forscher konkludierten, dass die Abwesenheit von IGF-1 bei Erwachsenen nach dem Wachstumsstopp die Krebsanfälligkeit reduzierte.
Obwohl die Ergebnisse vielversprechend waren, zeigte sich, dass die Forschung noch weitergehen musste. Die Zwillinge erlebten persönlich die Tragweite dieser Erkenntnisse, als die Diagnose Krebs bei ihrer Schwester erfolgte. Sie erkannten, dass sie nicht vollständig immun gegen Krankheiten waren und dass sie aktiv Maßnahmen ergreifen mussten. Dennoch bot die Entdeckung einen neuen Blickwinkel auf die Behandlungsmöglichkeiten und die molekulare Grundlage für zukünftige Therapien.