Die evolutionären Überlebensstrategien vieler Lebewesen boten einen Schutz gegen die menschliche Zerstörung. Dennoch zeigten die jüngste Bedrohungsliste für gefährdete Arten auf, dass diese Anpassungen zunehmend durch destruktive menschliche Aktivitäten überwältigt wurden. Die globale Bewertung der Artenvielfalt verdeutlichte, dass selbst die ingenioussten Überlebensmechanismen vor dem Druck der globalen Entwicklung nicht ausreichend waren.
Viele Schnecken, Muscheln und Krebse hatten sich an extremen Tiefen in den Ozeanen an hydrothermalen Quellen angepasst, wo die Wassertemperaturen 450 Grad erreichten. Eine Bewertung der Liste zeigte jedoch, dass zwei Drittel der Arten, die nur an diesen Tiefseequellen existierten, durch den Tiefseebergbau stark gefährdet waren. Die Förderung von Diamanten stellte ein weiteres außergewöhnliches Tier, den Wüstenregenfrosch, vor das Aussterben. Dieser Frosch entwickelte eine Anpassung, die ihm fast keine Wasserversorgung mehr erforderte, und versteckte sich tagsüber tief im Sand. Seine Existenz wurde durch den Abbau von Mineralien und die Expansion von Energieinfrastrukturen bedroht.
Die internationale Union für die Naturschutzforschung (IUCN), die die Bedrohungslisten erstellt, betonte, dass der Schutz der biologischen Vielfalt der einzige Weg aus der Krise. Die Liste zeigte beispielsweise, dass der Numbat, ein Streifen- und Termitenfresser aus Australien, dank des Schutzes vor feralen Katzen und Füchsen aus der kritischen Lage gerettet worden war. Durch gezielte Maßnahmen konnten die Populationen des Numbats von einem Tiefpunkt von nur dreihundert auf zwischen zweitausend und dreitausend ansteigen. Dies bewies, dass langfristige Schutzbemühungen Früchte trugen.
Die Bedrohung für die Artenvielfalt blieb jedoch bestehen. Mehr als zweihundert Arten von Mollusken existierten nur an hydrothermalen Quellen, und viele dieser Arten standen bereits vor dem Aussterben. Die Erkundung und Gewinnung von Tiefsee-Mineralien führte zu Sedimenten, welche die Tiere erstickten. Dennoch existierten über dreißig Quellenarten in marinen Schutzgebieten, in denen der Bergbau verboten blieb. Die globale Bewertung hob hervor, dass die hydrothermalen Mollusken eine der am stärksten bedrohten Tiergruppen seien. Die Organisation hatte 2021 eine Moratorium für den Tiefseebergbau beschlossen.
Die Bedrohung für den Wüstenregenfrosch resultierte aus dem Diamantenabbau sowie der Ausweitung der Infrastruktur in seiner Verbreitungszone. Zudem bestand ein weiterer Druck durch den exotischen Tiershandel. Die IUCN-Liste umfasste insgesamt 175.909 Arten, von denen 49.505 vom Aussterben bedroht waren. Die Erhaltung der natürlichen Lebensräume blieb somit die entscheidende Aufgabe, um die einzigartige Evolution dieser Spezies zu sichern.