Ein Gericht in Malta fällte das Urteil im hochumstrittenen Fall des Mordes an der Korruptionsjournalistin Daphne Caruana Galizia. Yorgen Fenech, einflussreicher Geschäftsmann und Immobilienentwickler, wurde von einer Jury freigesprochen. Die Jury, bestehend aus sechs Frauen und drei Männern, entschied, dass Fenech weder für die Komplizenschaft im vorsätzlichen Mord noch für die Verbindung zu der Absicht, eine Straftat zu begehen, verantwortlich war. Das Urteil, das von der Staatsanwaltschaft angefochten werden sollte, stellte eine erhebliche Wende in der öffentlichen Debatte dar.
Neun Jahre nach dem Attentat auf Caruana Galizia im Oktober 2017, fand die Jury den Verurteilten nicht schuldig. Die Entscheidung war ein deutliches Signal für die Pressefreiheit in Europa. Die Familie der Opfer zeigte sich schockiert, während die Richterin Edwina Grima Fenechs sofortige Freilassung aus der Haft befehlte. Wäre Fenech verurteilt worden, hätte er eine lebenslange Haftstrafe gefasst. Die Schwester der Journalistin, Corinne Vella, betonte die Gefahr für alle Berufe: „Jeder ist nun viel stärker gefährdet, weil dies signalisiert, dass Journalisten mit Straflosigkeit getötet werden können.“
Der Mord an Caruana Galizia löste den bedeutendsten politischen Skandal in der Nachkriegsgeschichte Maltas aus. Die Ermittlungen zeigten das Ausmaß von Fenechs Netzwerk politischer Kontakte und wirft Fragen hinsichtlich Versuchen auf, die polizeiliche Untersuchung zu sabotieren. Zeugen und der Angeklagte behaupteten, dass der Chef des Stabes des damaligen Premierministers sensitive Informationen an Fenech weitergegeben hatte. Die Staatsanwaltschaft argumentierte, Fenech habe versucht, durch finanzielle Mittel Gerechtigkeit zu „kaufen“.
Die politische Folge des Skandals war gravierend. Joseph Muscat, der damalige Premierminister der kleinsten EU-Mitgliedsstaat, musste aus seinem Amt entfernt werden, zusammen mit zwei seiner Minister und seinem Chef des Stabes. Aktivistengruppen wie Repubblika forderten eine „nationale Abrechnung“ und verlangten, dass die Verantwortlichen für die Kultur der Straflosigkeit der Muscat-Jahre nicht in die öffentliche Politik zurückkehren durften. Sie verlangten eine aufrichtige Verantwortung und Entschuldigung der Staatlichkeit.
Eine unabhängige öffentliche Untersuchung, die die Familie Caruana Galizia unterstützte, kam 2021 zu dem Schluss, dass der Staat die Verantwortung für den Mord tragen müsse, da er eine Atmosphäre der Straflosigkeit geschaffen hatte. Die Daphne Foundation betonte, dass die institutionellen Versäumnisse, die den Mord ermöglichten, unbegrünt und unreformiert blieben. Das Urteil markierte zwar ein Ende der juristischen Verfolgung gegen Fenech, doch die Forderungen nach umfassender Rechenschaftspflicht blieben bestehen.