Ein massiver Masernausbruch erschütterte Bangladesch. Obwohl das Land bis März dieses Jahres substanzielle Fortschritte bei der Eliminierung der Krankheit erzielt hatte, brach dieser Erfolg rasch zusammen. Seit März meldeten Regierungsstatistiken fast 750 Todesfälle, hauptsächlich bei Kindern, infolge der hoch ansteckenden Krankheit. Die Zahl der Todesfälle umfasste sowohl bestätigte als auch vermutete Masernfälle. Die Zahlen waren jedoch wahrscheinlich höher, da das Gesundheitssystem überfordert war und die Datenerfassung erschwert wurde.
Die Situation in den Krankenhäusern zeigte die gravierende Belastung. Die Abteilung für Masern in Mymensingh befand sich bei mehr als doppeltem ihrer Kapazität, mit fast 130 Patienten in nur 32 Räumen. Ein vier Monate altes Kind, Arafat, war ein Beispiel für die prekäre Lage. Seine Ärzte mussten Sauerstoffröhrchen anpassen, da sein kleiner Nasenansatz für die Geräte ungeeignet war. Seine Eltern berichteten, dass das Kind unter Hitze litt und schwer atmete. Die Ärzte diagnostizierten Arafat Lungenentzündung und Herzversagen, Komplikationen der Masern.
Die Ursachen für den plötzlichen Einbruch waren vielschichtig. Experten deuteten auf eine „perfekte Kombination“ verschiedener Faktoren hin. Erstens gab es angeblichen Verzögerungen bei der Bestellung von Impfstoffen. Zweitens erlebte Bangladesch politische Turbulenzen, die zur Absetzung des autoritären Führers führten. Die Übergangsregierung verzögerte die Bestellung von Impfstoffen und untersuchte neue Lieferanten. Drittens führte die COVID-Pandemie zu Verzögerungen bei routinemäßigen Impfungen, und es gab seit 2020 keine regelmäßigen Massenvakinationskampagnen gegen Masern und Röteln. Diese Faktoren führten zu einem Mangel an Impfstoffen.
Die Auswirkungen des Mangels waren verheerend. Eine Mutter berichtete, dass ihr Kind Maliha, das für eine Impfung in der Klinik aufgesucht wurde, keine Impfstoffe mehr bekamen. Als der Ausbruch eskalierte, wurden Kinder mit und ohne Masern in den gleichen Stationen untergebracht, da es keine Betten mehr gab. Eine Patientin berichtete, dass sie stundenlang auf einem anderen Krankenhaus wartete, bis ein Bett frei wurde. Diese Engpässe führten dazu, dass Kinder ohne Masern und mit Masern zusammenleben mussten.
Obwohl die Regierung und die Vereinten Nationen eine Notfallimpfkampagne starteten, konnten sie die Situation nicht vollständig kontrollieren. Ein Gesundheitsexperte bezeichnete die aktuellen Zahlen als „Spitze des Eisbergs“ und betonte, dass die Arbeit noch nicht abgeschlossen war. Er warnte davor, dass die aktuellen Zahlen nur ein Teil der tatsächlichen Epidemie darstellten. Die Situation stellte die Gefahr einer Unterbrechung der Impfschutzdeckung auf globaler Ebene dar.