Frankreich sah sich mit einem massiven Kindesmissbrauchsskandal konfrontiert. Über Dutzende staatlicher Kindergärten und Grundschulen wurden wegen Gewalt, sexueller Übergriffe und Vergewaltigung von Kindern untersucht. Die Polizei in Paris prüfte mehr als hundert Vorwürfe von Misshandlung, körperlicher Gewalt und Vergewaltigung von Kindern, die bereits im Alter von drei Jahren stattfanden. Staatsanwälte bestätigten, dass Ermittlungen in 84 Vorschulen, etwa 20 Grundschulen und 10 Kinderbetreuungseinrichtungen liefen. Die Untersuchungen umfassten den angeblichen Vergewaltigung von Kindern im Alter von drei und vier Jahren.
Schulaufsichtspersonen, sogenannte Schulaufsichtspersonen, waren Erwachsene, die Kinder während der Mittagspause, der Ruhezeiten und nachschulischer Aktivitäten beaufsichtigten. Sie wurden nicht direkt von Schulen oder dem Bildungsministerium beschäftigt, sondern durch die Stadtverwaltung oder lokale Behörden rekrutiert. Oftmals fehlte ihnen die notwendige Ausbildung oder professionelle Abschlüsse, und sie arbeiteten zunehmend auf Stundenbasis. Diese Personen bildeten eine zentrale tägliche Präsenz für Kinder im Alter von drei bis elf Jahren.
Die Vorwürfe, die von Eltern in ganz Frankreich gemeldet wurden, umfassten Schreien, Schubsen, Haare ziehen, Verweigerung von Nahrung und erzwungenes Essen bis zum Erbrechen. Darüber hinaus wurden sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen gemeldet. Ein Anwalt, der zwei Familien in Paris vertritt, reichte im Februar Strafanzeige wegen angeblicher Vergewaltigungen von Kindergartenkindern ein. In einem Fall wurde ein dreijähriges Mädchen angeblich von einer Schulaufsichtsperson in Paris vergewaltigt. In einem anderen Fall wurde ein dreijähriger Junge von derselben Person vergewaltigt, nachdem dieser wegen körperlicher Gewalt gegen Kinder in eine andere Schule verlegt worden war.
Die Elternverbände betonten, dass die mangelnde Sorgfalt bei der Rekrutierung und Überprüfung der Schulaufsichtspersonen es ermöglicht hatte, Missbrauch fortzusetzen. Ein Anwalt bezeichnete den Sektor der Schulaufsichtspersonen in Frankreich als „Katastrophe“ und „nationale Tragödie“. Die Fälle zeigten, dass das öffentliche Dienstsystem die Sicherheit der Kinder nicht gewährleisten konnte.
Der neue Bürgermeister von Paris, Emmanuel Grégoire, initiierte einen Plan im Wert von 20 Millionen Euro, um die „große Funktionsstörung“ im System der Schulaufsichtspersonen zu bekämpfen. Er erklärte, dass ein kollektiver Fehler darin bestand, diese Vorfälle isoliert zu behandeln, obwohl sie auf ein systemisches Risiko und möglicherweise eine stillschweigende Code of Silence hindeuteten. Zwischen Januar und April suspendierte die Stadtverwaltung von Paris 78 Schulaufsichtspersonen, darunter 31, die Verdacht auf sexuellen Missbrauch genossen. Grégoire, der selbst von einer Schulaufsichtsperson missbraucht worden war, gründete eine Bürgerversammlung, um die Rolle dieser Personen zu diskutieren.
Die Elternbewegung, darunter SOS Périscolaire, kämpfte seit fünf Jahren für Gerechtigkeit. Sie betonten, dass der Missbrauch ein nationales Phänomen sei und dass die Ermittlungen ein wichtiger Schritt seien, da die Berichte von Eltern und Kindern endlich ernst genommen wurden. Eine andere Gruppe, #MeTooEcole, stellte fest, dass die Gesellschaft Frankreichs nun erkannte, dass die Schule kein Zufluchtsort sei. Sie warnten davor, dass Kinder durch administrative Funktionsstörungen und pädagogisches Fehlverhalten nicht geschützt seien. Die Gewalt, von verbaler und körperlicher Aggression bis hin zu sexueller Nötigung, schuf Angst und Empörung bei den Eltern.