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Wissenschaft

Medien unterschätzten die politische Debatte: Vox-Pop-Interviews dominierten Wahlberichterstattung

Studie zeigt, wie strenge Regeln die kritische Prüfung politischer Versprechen behinderten

Eine Untersuchung der nationalen Wahlen in Wales und Schottland sowie der lokalen Wahlen in England zeigte, dass die Berichterstattung in den britischen Fernsehsendern die Bürger enttäuschte. Forscher stellten fest, dass die ständige Abhängigkeit von sogenannten Meinungsumfragen und die mangelnde kritische Auseinandersetzung mit politischen Behauptungen die Fähigkeit der Medien, politische Versprechen gründlich zu prüfen, untergruben. Die Studie, die von der Universität Cardiff durchgeführt wurde, analysierte die TV-Nachrichten zwischen dem 2. März und dem 6. Mai.

Die Autoren des Berichts fanden heraus, dass strenge Regeln, welche eine ausgewogene Berichterstattung vorschrieben, die Medien befähigten, politische Zusagen nicht umfassend zu untersuchen. Für die erste Zeit bezeichnete die BBC die Parteien Labour, Konservative, Reform, die Liberaldemokraten, die Grünen, Plaid Cymru und die SNP als „Hauptparteien“, was die Erwartungshaltung schuf, dass sie ähnliche Berichterstattung erhielten.

Die Forscher stellten fest, dass grosse Zeitabschnitte der Sendungen für Meinungsumfragen reserviert blieben. Diese Interviews erschienen in 26,3 Prozent aller walisischen Fernsehnachrichten, was auf Kosten der Berichterstattung über tatsächliche politische Politik oder konkrete politische Behauptungen ging.

Der Projektleiter des Forschungsprojekts bemerkte, dass die aktuellen Regeln zur Parteinparteilichkeit während einer Wahlkampfpraise nicht für den Zweck geeignet seien. Er betonte, dass die Regeln überdacht werden mussten, um den Sendern die Flexibilität zu geben, eine tiefere Prüfung der Inhalte zu liefern. Die Öffentlichkeit erwarte nicht nur die Abdeckung politischer Parteien, sondern auch die kritische Überprüfung ihrer Versprechen und die Entgegnung gegen falsche oder irreführende Behauptungen.

Da die Regeln eine breite Abdeckung der Parteien während des Wahlkampfes vorschrieben, beschränkte sich die Fähigkeit der Medien, spezifische politische Politik in die Tiefe zu analysieren. Obwohl die Sendungen die sechs Hauptparteien relativ ausgewogen darstellten, beschränkte sich die Breite der Berichterstattung auf die Abdeckung von Parteipolitischen Perspektiven und erlaubte keine konsistente Prüfung der Tiefe oder Glaubwürdigkeit konkurrierender Behauptungen.

Infolgedessen erhielten über 70 Prozent der politischen Behauptungen von Politikern in den Fernsehnachrichten keine oder nur eine begrenzte Prüfung. In Sendungen, die sich spezifisch auf Parteipolitik, Kandidateninterviews oder politische Aussagen konzentrierten, zeigte 49 Prozent keine Prüfung, 22 Prozent nur eine kurze Prüfung und nur 29 Prozent eine substanzielle Prüfung. Statt einer tiefgehenden politischen Debatte konzentrierte sich ein grosser Teil der Berichterstattung auf die „Hahnenjagd“-Elemente der Wahl, wie Wahlveranstaltungen, Parteikonflikte und öffentliche Meinung.

Diese mangelnde rigorose politische Untersuchung wurde durch die starke Abhängigkeit von Meinungsumfragen mit der allgemeinen Bevölkerung verstärkt. Die Stimmen der einfachen Bürger wurden weit stärker dargestellt als die Perspektiven politischer Kandidaten. Obwohl die Forscher den Wert des Verständnisses der realen Ängste der Wähler anerkannten, argumentierten sie, dass die Nutzung von Meinungsumfragen in diesem Umfang wertvolle Sendezeit auf Kosten der politischen Berichterstattung und der Prüfung politischer Behauptungen kostete. Diese kurzen Interviews dienten zwar dazu, allgemeine „Schnappschüsse der Meinung“ und politische Apathie festzuhalten, konnten jedoch die tieferen Gründe hinter den Ansichten kaum erklären. Die Meinungsumfragen erfassten zudem nicht präzise das Mass der Beteiligung an der Wahl, welche eine Rekordbeteiligung von 52 Prozent für eine walisische Wahl darstellte. Die Studie untersuchte dabei Flaggschiff-Sendungen wie BBC News at Ten und ITV News at Ten, sowie die wichtigsten Abendnachrichten in Wales. Die ITV Evening News, die eine zusätzliche Perspektive bot, wurde in der Analyse jedoch nicht berücksichtigt.

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