Die Menge an verschwendeten Medikamenten in England stellte eine erhebliche Belastung für das Gesundheitssystem dar. Eine pharmazeutische Gruppe schätzte, dass jährlich 3.400 Tonnen teilweise genutzter Arzneimittel entsorgt wurden. Diese Verschwendung verursachte den nationalen Gesundheitsdienst (NHS) schätzungsweise jährliche Kosten von mindestens 480 Millionen Pfund.
Der Vorsitzende der Nationalen Apothekervereinigung (NPA) betonte, dass verschwendete Medikamente erhebliche Summen finanziell belasteten, die stattdessen in bessere Patientenleistungen investiert werden konnten. Er erklärte, dass die Entsorgung von Arzneimitteln nach deren Verlassen der Apotheke zwingend erfolgte, selbst wenn diese unbenutzt blieben. Dies unterstrich die Notwendigkeit, sicherzustellen, dass Patienten nur Medikamente erhielten, die sie tatsächlich benötigten.
Die Organisation forderte die Apotheken, bei Patienten mit mehreren wiederkehrenden Rezepten eine intensivere Überprüfung durchzuführen. Es wurde darauf hingewiesen, dass Patienten bei der Bestellung von Wiederholrezepte nur dann Medikamente anfordern sollten, wenn ein tatsächlicher Bedarf bestand. Zudem appellierte die NPA an die Öffentlichkeit, nicht übermäßig Medikamente zu bestellen, um die Verschwendung zu minimieren.
Dr. Rasha Abdelsalam Elshenawy, eine leitende Wissenschaftlerin, betonte, dass die Problematik nicht nur finanzielle und ökologische Folgen hatte, sondern auch direkte Auswirkungen auf die Patientensicherheit und die Resistenzfähigkeit von Krankheitserregern. Sie warnte davor, dass übrig gebliebene Antibiotika, die zu Hause gelagert wurden, oft ohne ärztlichen Rat eingenommen wurden. Diese Praxis förderte die antimikrobielle Resistenz, eine der größten Bedrohungen für die moderne Medizin.
Das NHS England gab an, Maßnahmen ergriffen zu haben, um die Verwaltung von Rezepten über mobile Anwendungen zu erleichtern. Gleichzeitig führten lokale Gesundheitsdienste Kampagnen zur Reduzierung der Medikamentenverschwendung durch. Diese Bemühungen gingen Hand in Hand mit breiteren Anstrengungen zur Optimierung des Arzneimittelverbrauchs, welche in den letzten zehn Jahren zur Reduzierung der verschreibten krankheitsverursachenden Medikamente führten. Gesundheitsführer hatten zuvor bereits vor Juni auf gravierende Engpässe bei wichtigen Medikamenten wie Schmerzmitteln, Epilepsie- und Hormonersatztherapien gewarnt.