Ein Rat der Pharmazeutischen Leistungsregelung empfahl die Bundesregierung, die Behandlung für Tausende von Frauen mit Brustkrebs oder Endometriose sowie für Kinder mit Geschlechtsdysphorie zu finanzieren. Die Experten sprachen sich nach einer dringenden Sitzung im Juli aus, als AstraZeneca die Entfernung des Medikaments Zoladex aus dem Markt ankündigte. Diese Entscheidung drohte, über 7.500 Frauen ohne eine Alternative Behandlung zu lassen.
Der Ausschuss legte den Vorschlag vor, das Medikament triptorelin, welches seit 2006 für Prostatakrebs gelistet war, für alle Anwendungen freizustellen. Beide Wirkstoffe blockierten die Freisetzung von Östrogen und Testosteron, welche für bestimmte Krebsformen oder zur Fortpflanzungsprävention notwendig waren. Zudem dienten sie zur Behandlung der Endometriose und zur Blockade der Pubertät bei Geschlechtsbestimmung. Die Weltgesundheitsorganisation betrachtete diese Medikamente als essentielle Arzneimittel.
Vicki Durston, Direktorin für Politik und Interessenvertretung beim Breast Cancer Network Australia, bezeichnete die Entscheidung als einen bedeutenden Fortschritt. Sie betonte, dass der Zugang zu diesem Medikament für einige Patientinnen den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten konnte. Andere hatten bereits die Entfernung ihrer Eier als Reaktion auf die Unsicherheit über die Versorgung beschlossen.
Die königlichen australischen und neuseeländischen Fachgesellschaften äußerten sich ebenfalls positiv. Marilla Druitt, Vorsitzende des Victorian State Chairs des Royal Australian and New Zealand College of Obstetricians and Gynaecologists, erkannte die Möglichkeit einer Alternative für Endometriose und Schmerzpatientinnen. Sie wies jedoch darauf hin, dass weitere Forschung notwendig sei, um die Wirksamkeit vollständig zu beurteilen.
Die Aufnahme des Medikaments in die Erstattung durch die Bundesregierung bedeutete erstmals eine finanzielle Hürde für den Zugang zu Behandlungsmöglichkeiten für transgender Kinder über die PBS. Dies entlastete die Steuerzahler in Queensland und dem Northern Territory. In anderen Rechtsordnungen war die Behandlung bereits über das öffentliche System abgedeckt. Queensland hatte jedoch im Januar ein Verbot für die Verschreibung von Medikamenten für die Geschlechtsbestimmung in öffentlichen Krankenhäusern erlassen, eine Entscheidung, die die Warteliste betraf. Das Gericht hatte dieses Verbot aufgehoben, die Landesregierung stellte es jedoch unverzüglich wieder her.
Der medizinische Direktor für Geschlechtsgesundheit Australiens, Stuart Aitken, erklärte, dass diese Entscheidung bei seinen Patienten „absolute Freude“ ausgelöst hatte. Er betonte, dass der Zugang zu evidenzbasierter Behandlung eine große Barriere beseitigte und das Verbot nur eine begrenzte Wirkung besaß. Ein GP aus Brisbane erklärte, dass die Aufnahme in die Erstattung die Kosten für die private Verschreibung drastisch senken würde und das Verbot damit lächerlich mache. Die Landesregierung selbst hatte eine Warnung herausgegeben, die Risiken des Verbots betonte, insbesondere hinsichtlich Ungleichheit aufgrund des sozioökonomischen Status oder der geografischen Lage.