Der Stadtrat von Yarra entschied sich am Dienstag dafür, die Vereinbarung mit Lime zu beenden. Damit endete die fast sechsjährige Testphase der gemeinsamen E-Bikes auf den Straßen der Innenstadt von Melbourne. Die Entscheidung erfolgte nach einer Bewertung, dass der Betreiber die Mindeststandards nicht erfüllte und die Sicherheit der Fußgänger gefährdete.
Einige Stadträte lobten die geteilten E-Bikes als eine erschwingliche und umweltfreundliche Transportmöglichkeit. Andere bemängelten jedoch, dass der Betreiber nicht ausreichend daran arbeitete, Nutzer davon abzuhalten, Gehwege zu blockieren, Fahrräder zu entsorgen oder unter Alkoholeinfluss zu fahren. Die stellvertretende Bürgermeisterin Sharon Harrison betonte, dass die Priorität auf den Bedürfnissen der Fußgänger liegen müsse und die rechtlichen Verpflichtungen eingehalten werden mussten.
Die Beendigung des Abkommens bedeutete, dass Lime dem Rat 30 Tage Zeit gab, seine Betriebstätigkeit in der Region zu beenden. Die Zuständigkeit der Stadt Yarra umfasste Fitzroy, Richmond und Carlton North, Gebiete, die einige der höchsten Nutzungsraten für gemeinsame E-Bikes in Australien aufwiesen. Lime meldete beispielsweise seit Januar 2025 etwa 614 Fahrten pro Tag in dieser Region.
Laut den Zahlen des Rates erzielte Lime aus dem Gebiet etwa 2,5 Millionen Dollar. Die Stadt selbst erwarb jedoch aufgrund der Vertragsbedingungen nichts von diesem Schema. Bürgermeister Stephen Jolly äußerte sich kritisch und bezeichnete die Vorgehensweise als unangebracht. Er erklärte, dass die gemeinsame Vereinbarung eine jährliche Testphase vorsah und ein permanentes System dem Rat eine Vergütung durch den Betreiber ermöglicht hätte.
Der Rat hatte im Dezember ein Vergabeverfahren begonnen, doch Lime war die einzige Firma, die sich über das Ausschreibungsverfahren beworben hatte. Die Stadträte stimmten am Dienstag auch dafür, den Vertrag nicht an Lime zu vergeben. Jolly betonte, dass die Möglichkeit für private E-Bikes bestehen bliebe, und kündigte an, das Verfahren neu zu eröffnen, falls ein Unternehmen die Mindeststandards erfüllte. Ein Sprecher von Lime äußerte sich enttäuscht über diese Entscheidung und betonte, dass die unnötige Störung des E-Bike-Netzwerks in Melbourne vermieden werden müsse.
Die geografische Lage der Region bedeutete, dass die Änderung auch Nutzer in den benachbarten Gemeinden Darebin und Stonnington beeinflusste. Kritiker der Entscheidung forderten einen ausgewogeneren Ansatz. Sie schlugen vor, dass der Rat Fahrradabstellanlagen installierte, um das Wegwerfen von Fahrrädern zu verhindern, und Einnahmen durch die Parkgebühren erhöht. Befürworter argumentierten, dass die Verzicht auf mögliche Einnahmen von Nicht-Residenten dazu führte, dass die Stadt die Menschen zum Autofahren drängte und multinationalen Organisationen wie Saudi Aramco oder TotalEnergies unterstützte. Die umliegenden Gemeinden würden ihre Beziehungen zu den gemeinsamen E-Bikes in den kommenden Monaten neu bewerten, während die Stadt Melbourne ein permanentes Schema später im Jahr prüfen würde.