Die National Autonomous University of Mexico (UNAM) verkündete, dass etwa 58.000 Studierende ihre Zulassungsprüfung wiederholen mussten. Diese Maßnahme erfolgte aufgrund von Ergebnissen, die Verdacht auf weit verbreiteten Betrug aufwarfen. Die Universität hatte zunächst versucht, die Prüfung vollständig online durchzuführen, was jedoch zu einem Misserfolg und der Annullierung tausender Ergebnisse führte.
Der Rektor der UNAM, Leonardo Lomelí, erklärte am Montag, die Universität habe gelernt, Fehler zu erkennen und selbst zu korrigieren. Er betonte, dass es keine Ausweichmanöver oder Selbstzufriedenheit gäbe, sondern Verantwortung und entsprechende Handlungen. Die Universität versprach, die Gleichheit beim Zugang zu gewährleisten und bot die Prüfung erstmals in diesem Jahr wieder online an, um den Studierenden die Reise nach Mexiko-Stadt zu ersparen.
Die Zulassungsprüfung war äußerst anspruchsvoll. Bei den Bewerbern, die im Sommer dieses Jahres teilnahmen, konkurrierten über 21.962 Plätze. Bei den Ergebnissen zeigte sich eine signifikante Verschiebung: Während nur 3,5 Prozent der Bewerber zwischen 2021 und 2025 einen Wert von 100 oder mehr erzielten, stieg dieser Anteil in diesem Jahr auf 16 Prozent. Besonders bei den Medizinstudien erhielten fast dreißig Prozent der Kandidaten einen Wert von 100 oder mehr, verglichen mit neun Prozent im Vorjahr.
Die Ergebnisse lösten einen nationalen Skandal aus. Der Präsident Mexikos, Claudia Sheinbaum, deutete an, dass der Staatsanwalt möglicherweise die Untersuchung der Angelegenheit aufnehmen müsse. Hunderttausende von UNAM-Bewerbern protestierten am Montag in Mexiko-Stadt gegen die Wiederholung der Prüfung und blockierten dadurch wichtige Verkehrsrouten im Süden der Hauptstadt.
Vor der offiziellen Veröffentlichung der Ergebnisse annullierte die Universität bereits 2 Prozent der Tests, was 3.174 Prüfungen betraf. Es wurden Unregelmäßigkeiten wie Identitätsfälschung, externe Hilfe und die Nutzung von künstlicher Intelligenz festgestellt. Ein technischer Sachverständiger berichtete, dass fast die Hälfte der Prüfungen, also 75.000 Tests, eine gewisse Form des Betrugs enthalten konnten. Zudem wurden Prüfungsfragen vor Beginn der Prüfung abgehandelt und online verkauft.
Die UNAM reichte nach Feststellung der Unregelmäßigkeiten im Juli eine Strafanzeige ein und kündigte an, dass die Behörden mögliche Fehlverhalten von Personen oder Unternehmen untersuchen würden, die den Bewerbern und deren Familien gefälschte Dienstleistungen angeboten hatten. Die Institution stoppte alle Zulassungen und ernannte einen technischen Ausschuss, um das Schicksal der 158.712 jungen Menschen zu entscheiden, die an der Prüfung teilgenommen hatten. Darüber hinaus verschob die Universität den Beginn des akademischen Jahres für neue Studierende auf den 31. August.