Mexiko leitete eine Untersuchung ein, um festzustellen, ob die Vereinigten Staaten über ihre Rolle bei der Verhaftung und dem geheimen Transfer eines Spitzenmitglieds des Sinaloa-Kartells im Jahr 2024 gelogen hatten. Diese Handlung stellte potenziell eine Verletzung der Souveränität des Landes dar. Die mexikanische Staatsanwältin Ernestina Godoy erklärte, dass die jüngsten Berichte auf drei schwerwiegende Probleme hindeuteten: eine Reihe von Verstößen gegen mexikanisches und internationales Recht, ein Abkommen, das außerhalb der Gesetze geschlossen worden war, sowie eine Lüge eines US-Diplomaten, welche den Grundsatz des guten Glaubens in diplomatischen Beziehungen verletzte.
Präsidentin Claudia Sheinbaum betonte bei einer Pressekonferenz, dass die zentrale Frage die Verletzung der Souveränität sei. Die Angelegenheit entfaltete sich in einem äußerst heiklen Moment der US-Mexiko-Beziehungen. Donald Trump drohte wiederholt mit einer Bodeninvasion in Mexiko, um die Drogenkartelle anzugreifen, was die Befürchtungen hinsichtlich der mexikanischen Souveränität verstärkte. Gleichzeitig traten im April Berichte über die Beteiligung mehrerer CIA-Agenten an einer Überraschungssaktion auf einem Drogenlabor im Norden Mexikos auf, ohne die Genehmigung oder Kenntnis der Bundesregierung.
Im Juli 2024 wurde Zambada García von Joaquín Guzmán López, einem anderen Schlepper, getäuscht, der ihn in ein kleines Flugzeug innerhalb Mexikos und nach Texas brachte. Dort verhafteten US-Behörden beide Männer am Flughafen bei El Paso. Mexiko stellte Washington mehrfach Fragen zu der Rolle der Vereinigten Staaten und beklagte, dass es im Dunkeln gelassen wurde. Der damalige Botschafter Ken Salazar bestritt die Beteiligung der USA.
Nachdem mexikanische Behörden implizierten, Salazar habe gelogen, bekräftigte der ehemalige Botschafter am Mittwoch seine Position: Es war weder ihr Flugzeug, noch ihr Pilot und noch ihre Operation. Die Wahrheit sei die Wahrheit. Das Flugzeug, in dem die Schlepper reisten, wurde jedoch kürzlich im Museum der War Eagles Air in Santa Teresa, New Mexico, ausgestellt. Eine Tafel neben dem Flugzeug berichtete, dass zwei FBI-Mitarbeiter eine „hochkomplexe, geheime und mutige Verhaftung zweier der gesuchtesten Flüchtlinge der Welt“ erfolgreich vollzogen. Die mexikanischen Beamten versuchten im August 2024, das Flugzeug zu inspizieren, wurden jedoch von einer gründlichen Inspektion oder der Aufnahme von Fotos ausgeschlossen. Die Amerikaner lieferten zudem „falsche oder ungenaue Identifikationsdaten für dieses Flugzeug“.