Javier Milei erhob die Anschuldigung, dass eine koordinierte „Anti-Argentinien-Kampagne“ hinter der Kritik an der nationalen Mannschaft, den Vorwürfen des Rassismus unter den Fans und Verschwörungstheorien, die Lionel Messis Team seien heimlich begünstigt worden, steckte. Diese Behauptungen gingen über die Kritik an der Weltmeisterschaft hinaus, da der Präsident weiter ging, die Finanzierung dieser Kampagne auf die Demokratische Partei der Vereinigten Staaten sowie auf die Regierungen Brasiliens und Mexikos zurückzuführen. Milei erklärte in einem Interview, dass es die Arbeit progressiver Köpfe gewesen sei, die „die Ideen der Freiheit nicht zum Erfolg führen wollten“.
Er behauptete ferner, dass die Regierung Brasiliens, angeführt vom linksgerichteten Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva, den grössten Anteil der Mittel bereitgestellt habe. Analysten in Argentinien interpretierten Mileis Narrative als Ablenkung von seiner sinkenden Popularität, während andere argumentierten, dass die eigentliche „Anti-Argentinien-Kampagne“ die Sparpolitik des Präsidenten mit seiner „Ausrüstung“ darstellte. Diese Erzählung gewann jedoch an Zugkraft und erreichte auch jene Menschen, die Milei nicht unterstützten. Ein Buchhändler aus Buenos Aires berichtete von einer sozialen Medien-„Bombardierung“, die ihn zutiefst verärgert hatte.
Im Rahmen der Diskussion um Rassismus wurden Verweise auf koloniale Mächte gemacht, welche die schwarzen Bevölkerungsgruppen ignoriert und die Existenz der schwarzen Bevölkerung in Argentinien leugneten. Ein US-Schauspieler veröffentlichte vor dem Finale einen Beitrag, in dem er die Zuschauer aufforderte, nicht für Argentinien zu jubeln, da das Land historisch eine der rassistischsten Nationen der Welt sei. Diese Äusserungen lösten Reaktionen von Menschenrechtsorganisationen aus, welche die Verallgemeinerung des Landes als Stereotyp kritisierten.
Die digitale Anthropologin Mercedes Máspero analysierte über zwei Millionen Beiträge in den sozialen Medien und fand zwar „bestimmte Muster“ der Organisation, bezeichnete die Kampagne jedoch als „unglaublich weit verbreitet“. Eine Forscherin des Nationalen Wissenschaftlichen und Technischen Forschungsrates Argentiniens sah keine Beweise für eine grossflächige koordinierte Operation, obwohl eine feindliche, weitverbreitete und transnationale Debatte über Argentinien existierte. Sie merkte an, dass Brasilien eine signifikante Präsenz in den Nachrichten über Rassismus zeigte, Mileis Anschuldigung bezüglich brasilianischer Beteiligung jedoch durch keine öffentlichen Beweise gestützt wurde.
Die Erzählung, dass Argentinier Opfer einer von linken ausländischen Regierungen orchestrierten Kampagne seien, erlaubte Milei, den Fokus der Debatte von seinen eigenen Regierungsfragen wegzulenken und auf einen externen Gegner zu lenken. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als seine Verwaltung mit internen Problemen konfrontiert war: Obwohl die Inflation unter Kontrolle war, trieben steigende Arbeitslosigkeit und Korruptionsskandale die Popularität des Präsidenten auf den tiefsten Punkt seit seiner Amtszeit.