In einem wegweisenden deutschen Rechtsstreit stellte ein Gericht den Hersteller der Milka-Schokoladenbarre wegen Täuschung gegenüber den Verbrauchern und Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht fest. Das Gericht entschied, dass die Reduzierung der Schokoladenmenge bei gleichbleibendem Verpackungsformat die Kunden irrt. Das Urteil des Regionalgerichts in Bremen bestätigte diese Auffassung.
Die Klage wurde vom Verbraucherschutzamt Hamburg eingeleitet, welches den Hersteller Mondelēz beschuldigte, Verbraucher durch die Verringerung des Gewichts der „Alpenmilch“-Bar von 100 Gramm auf 90 Gramm getäuscht zu haben. Die dreiwöchige gerichtliche Auseinandersetzung thematisierte die Praxis der Verkleinerung von Produkten, um den Preis zu halten.
Mondelēz reagierte auf das Urteil und erklärte gegenüber der BBC, dass das Unternehmen die Entscheidung des Gerichts ernst nehme und diese nun detailliert prüfe. Der Hersteller argumentierte, dass er die deutschen Verbraucher über die Änderung auf seiner Webseite und den sozialen Kanälen informiert hatte und auf die gestiegenen Kosten in den Lieferketten verwies.
Allerdings zeigte sich, dass die Argumentation des Unternehmens nicht ausreichend war. Die Verbraucher waren mit der Erklärung des Unternehmens nicht zufrieden und bezeichneten die Milka-Alpenmilch-Bar im Vorjahr als „Verpackungs-Imitierung des Jahres 2025“. Obwohl das Gewicht reduziert wurde, blieb die violette Verpackung unverändert. Die neue Bar war lediglich Millimeter dünner, und der Preis stieg zu Beginn des Jahres 2025 von 1,49 Euro auf 1,99 Euro.
Das Gericht stellte fest, dass die Täuschung nicht in der bloßen Beibehaltung der Verpackung lag, sondern in der Diskrepanz zwischen dem tatsächlichen Inhalt und der „visuell vermittelten Erwartung“ eines Produkts, das den Verbrauchern seit Jahren bekannt war. Das Gericht forderte, dass zur Eliminierung dieser Täuschung eine „klare, verständliche und leicht wahrnehmbare Kennzeichnung auf der Verpackung“ notwendig sei.
Dieses Urteil hatte eine erhebliche Bedeutung, da es die Gefahr der Wiederholung dieser Praktik adressierte. Die Entscheidung war noch nicht rechtsverbindlich, da das Unternehmen eine Frist zur Berufung besaß.
Der Kampf gegen die Verkleinerung der Produktmenge betraf nicht nur Milka und ihre violette Verpackung. Auch die Marke Ritter Sport erlebte ähnliche Veränderungen. Einige Sorten verließen das 100-Gramm-Format und wogen nun nur 75 Gramm, während die charakteristische quadratische Form erhalten blieb. Ritter Sport vermarktete die leichteren Produkte als neue Linie, wobei der Preis unverändert blieb.
Auch andere Produkte litten unter dieser Praxis. Zahnpasta, Haferflocken und Instantkaffee erlebten dieselbe Entwicklung. Die Verbraucherorganisation Which? betonte, dass die Preissteigerung bei Schokoladenprodukten besonders hoch war und im August 2025 um 14,6 Prozent gestiegen war. Die globale Erhöhung der Kakaokosten nach schlechten Ernten in Westafrika trieb diese Entwicklung voran.