Eine Mutter wurde aus den Trümmern ihres zerstörten Zuhauses in Venezuela mit ihrem achtzehn Tage alten Säugling gerettet. Dayana Patino berichtete der BBC, wie ihr Sohn Juan David ihr die Kraft zur Überlebens kämpfte. Er gab ihr die Motivation, wach und aufmerksam zu bleiben. Solange er lebte, blieb sie am Leben; sie berührte gelegentlich seine Nase, um den Beweis zu haben, dass er noch atmete.
Die Erdbeben, die am Mittwoch Venezuela heimschlugen, zerstörten das Land und führten zu mindestens 1.450 Todesopfern. Die Suche nach den Vermissten verlief unaufhörlich, doch die Hoffnung, weitere Überlebende zu finden, schwand. In einer Klinik in Caracas erzählte Dayana der BBC von den erschreckenden Stunden, die sie unter dem Trümmerfeld verbracht hatte. Sie hielt ihren kleinen Sohn fest und betete inständig um Rettung.
Als die Erschütterungen einsetzten, eilte sie in ihr achtstöckiges Apartment in der Küstenregion La Guaira. Sie dachte zunächst, es handele sich lediglich um ein leichtes Beben. Doch die Realität traf sie brutal: Sie fühlte sich wie im Wasser und Schlamm versunken, und sie fiel in die Grube, in der sie gefangen blieb. Sie konnte sich nicht erinnern, wie sie ihren Säugling losließ, da sie durch die Bewegung des Fluggefühls überwältigt war. Sie drückte gegen Möbel und konnte sich kaum bewegen.
In dieser Dunkelheit fand sie Hoffnung, als sie eine Bibel unter sich spürte. Dies begann ihre Überlebensreise. In den Trümmern sah sie einen Lichtfleck, der wie der Mond erschien. Ihre Rettung kam, nachdem sie den Ruf ihres Bruders hörte. Sie rief mit aller Kraft: „Hier bin ich“, und er versprach ihr: „Ich habe dich gefunden, und ich werde nicht aufhören, dich herauszubringen, bis du frei bist.“
Ein filigraner Rettungseinsatz brachte Mutter und Sohn am Donnerstagabend aus den Trümmern. Dayana erlitt Verletzungen an beiden Beinen, während Juan David nur leichte Verletzungen erlitt. Ihr Ehemann Gerson Patino eilte nach Hause, als die Erdbeben einsetzten. Er sprang über einen Zaun zur Sicherheit und sah, was mit ihrem Wohnhaus geschehen war. Er fürchtete das Schlimmste. Der Moment der Rettung seiner Frau und seines Sohnes war ein Wunder. Er empfand eine überwältigende Emotion und glaubte, er sei wiedergeboren worden.
Das Zuhause von Gerson und Dayana wurde zerstört, und sie verloren sämtliche Besitztümer. Obwohl ihr Haustier noch vermisst wurde, versprachen sie, alles von Grund auf neu aufzubauen. „Wir verloren fast alles, aber wir sind hier“, versprach Gerson. „Wir werden alles wieder aufbauen, was wir verloren haben.”