Polens Premierminister Donald Tusk hat eindringlich vor einem Zerfall der NATO gewarnt, nachdem die Vereinigten Staaten angekündigt hatten, rund 5.000 Soldaten aus Deutschland abzuziehen. «Die größte Bedrohung für die transatlantische Gemeinschaft sind nicht ihre äußeren Feinde, sondern die fortschreitende Auflösung unseres Bündnisses», schrieb Tusk auf der Plattform X. «Wir müssen alles tun, um diesen verhängnisvollen Trend umzukehren.»
Der Abzug der US-Truppen soll innerhalb von sechs bis zwölf Monaten vollzogen werden. Gleichzeitig wurde ein unter Biden geplanter Einsatz von Langstreckenraketen des Typs Tomahawk in Deutschland gestrichen – ein schwerer Rückschlag für Berlin, das den Schritt als wichtige Abschreckungsmaßnahme gegenüber Russland befürwortet hatte. Hintergrund des beschleunigten Abzugs sind Aussagen des deutschen Bundeskanzlers, der erklärte, die USA würden bei den Verhandlungen mit dem Iran «gedemütigt» – Worte, die im Pentagon als «unangemessen und kontraproduktiv» bezeichnet wurden.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius zeigte sich trotz der Entscheidung gefasst. Der teilweise Abzug sei absehbar gewesen und beträfe einen Teil der gegenwärtigen Stationierung von knapp 40.000 US-Soldaten in Deutschland, so Pistorius. «Wir Europäer müssen mehr Eigenverantwortung für unsere Sicherheit übernehmen», betonte er und hob Deutschlands wachsende Verteidigungsausgaben sowie beschleunigte Rüstungsbeschaffung als positive Entwicklungen hervor.
Deutschland ist der wichtigste Stationierungsort des US-Militärs in Europa und beherbergt mehr als 35.000 aktive Soldaten. Das Pentagon ließ offen, welche Stützpunkte betroffen sein werden und ob die abgezogenen Truppen in die USA zurückkehren oder innerhalb Europas verlegt werden. Die NATO erklärte, mit Washington zusammenzuarbeiten, um die Einzelheiten der Entscheidung zu verstehen.
Analysten sehen in dem Schritt ein Zeichen wachsender Spannungen innerhalb der westlichen Allianz. Während einige Mitgliedstaaten zur Ruhe mahnten, werfen die jüngsten Ereignisse die Frage auf, in welche Richtung sich das Bündnis unter dem veränderten sicherheitspolitischen Klima entwickeln wird.