Der Neurowissenschaftler Jared Cooney Horvath rief den Alarm bezüglich der Bildungstechnologie in Klassenzimmern. Im Kontext globaler Kampagnen gegen Smartphone-Nutzung in Schulen und Beschränkungen für Minderjährige forderte Horvath eine kritische Betrachtung der digitalen Werkzeuge im Lernprozess. Ein ehemaliger Lehrer argumentierte, dass die Nutzung von Bildschirmen und digitalen Hilfsmitteln die Entwicklung und das Lernen der Kinder untergrub. Er bezeichnete dies als eine der schwierigsten Wahrheiten seiner Generation.
Horvath behauptete, dass die kognitive Leistungsfähigkeit der Kinder geringer sei als die seiner Generation. Er stellte fest, dass im Westen über zwei Jahrhunderte hinweg ein stetiger generationsübergreifender Fortschritt existiert hatte. Doch ab etwa dem Jahr 2000 änderte sich dies. Die Intelligenzquoten sanken, selbst als die Zeit, die die Schüler in der Schule verbrachten, stieg. Horvath deutete den Anstieg auf den rasanten Aufstieg der Bildungstechnologie hin, welche die Ursache für den Leistungsabfall darstellte.
Ein Bericht des Bildungsministeriums zeigte, dass der Markt für Bildungstechnologie in Großbritannien einen Jahresumsatz von etwa 6,5 Milliarden Pfund generierte. In den Vereinigten Staaten stellte Horvath diesen Sektor auf eine Milliarde Dollar dar, der in jeden Aspekt des Schulsystems eingewoben war. Er betonte, dass es nicht nur um die Eliminierung von Bildschirmen für Unterhaltung ging, sondern darum, diese für das akademische Lernen so weit wie möglich zu reduzieren, um tiefgreifendes übertragbares Wissen im Gedächtnis der Schüler zu fördern.
Die Verbreitung von Laptops in Schulen begann Ende 2010. Als die Covid-Pandemie einsetzte, musste jede Schule digitale Lösungen als provisorische Maßnahme einführen. Nach Ende der Pandemie hielten jedoch die meisten Schulen die digitalen Strukturen bei. In den Vereinigten Staaten besaßen 88 Prozent der Schulbezirke Computer für den Einzelgebrauch.
Horvath analysierte Daten aus dem PISA-Programm, welches die akademische Leistung von fünfzehnjährigen Schülern in zahlreichen Ländern verfolgte. Die Ergebnisse zeigten einen klaren Zusammenhang: Je mehr Zeit die Schüler mit digitalen Geräten in der Schule verbrachten, desto stärker sanken ihre Testergebnisse. Durchschnittlich erzielten jene, die Computer mehr als sechs Stunden täglich nutzten, 66 Punkte schlechter als ihre Altersgenossen, die sie gänzlich nicht nutzten.
Andere Experten äußerten Bedenken hinsichtlich der Verwechslung von Korrelation und Kausalität. Professorin Rose Luckin räumte ein, dass viele Bildungstechnologien auf Versprechen statt auf Beweise verkauft wurden. Sie stellte jedoch fest, dass moderate Nutzung von Schulgeräten mit besseren Ergebnissen assoziiert war als keine Nutzung. Dylan Wiliam betonte, dass die derzeitigen korrelativen Studien keine kausalen Behauptungen stützen konnten. Er schloss, dass die Frage nicht laute Antwort hatte, ob Bildungstechnologie einen negativen Einfluss auf die Leistung hatte, sondern dass die entscheidende Frage laute: Wann und wie unterstützt Bildungstechnologie das Lernen. Die Antwort blieb kompliziert.