NS-Artefakte wurden in Australien verkauft, lange nachdem der Bund den Handel mit solchen Gegenständen verboten hatte. Mehrere Händler boten militärische Antiquitäten an, die das Hakenkreuz oder die Doppel-Sigel-Runen trugen. Die Verkäufer rechtfertigten den Verkauf mit dem Anspruch, diese Objekte für Bildungs- oder Forschungszwecke anzubieten. Die Bundesregierung hatte 2023 das Display und den Handel von Gegenständen, welche die Symbole der Schutzstaffel (SS) enthielten, untersagt. Mehrere Bundesstaaten hatten ähnliche Gesetze zur Verbot der Darstellung von NS-Symbolen erlassen.
Die Guardian Australia identifizierte Verkäufer, die deutsche Militärgegenstände wie Helme, Abzeichen, Medaillen und Uniformteile anboten, welche aus der NS-Zeit schienen und die verbotenen Symbole trugen. Diese Händler, darunter langjährige Sammler militärischer und NS-Objekte, erklärten, sie verkauften die Gegenstände für historische oder wissenschaftliche Zwecke. Kurt Coleman Military Antiques bot beispielsweise Bücher, Abzeichen und Waffen mit NS-Motiven an. Ein hochpreisiges Stück war eine Porzellanvase mit einem erhabenen NS-Adler für zweitausendfünfhundert Dollar.
Die Websites der Verkäufer erklärten, dass alle angebotenen Gegenstände ausschliesslich für Bildungszwecke bestimmt seien. Sie betonten, dass der Verkäufer keine politische Ideologie unterstütze und die Objekte lediglich als historische Artefakte präsentierten. Die Plattformen operierten bereits seit mindestens einem Jahr, und eine eBay-Seite des gleichen Namens existierte seit 2019 und verkaufte in dieser Zeit Zehntausende von Artikeln.
Henry’s Military Collectibles aus Westaustralien bot ebenfalls deutsche NS-Militärgegenstände an, darunter Kriegsverdienstkreuze und Luftschutzhelme. Die Verkäufer versicherten, sie handelten ausschliesslich mit Gegenständen von historischem Wert für Sammler, Museen und Forschungszwecke. Sie lehnten jegliche Verbindung zum Nationalsozialismus oder politischen Parteien ab.
Historiker betonten jedoch die Problematik der Sammlung militärischer Objekte. Professor Romain Fathi, Militärhistoriker an der australischen National University, erklärte, dass militärische Objekte nicht neutral seien. Er stellte fest, dass die Bedeutung eines Objekts stark von der Hand abhing, die es hielt, und von den Motiven der Besitzer. Fathi warnte davor, dass die Sammlung von Militaria problematisch werde, wenn eine starke Anziehungskraft auf Krieg und Gewalt bestand. Er betonte, dass solche Objekte als Propaganda dienten, aber auch als historische Aufzeichnungen. Die Sammlung von NS- oder Drittreiches-Objekten sei gefährlich, da sie Sympathien ausdrücken könne, welche für demokratische Gesellschaften bedenklich seien.