Am viertägigen Tag der Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs erzielte Donald Trump einen bedeutenden Erfolg. Die Richter lieferten eine weitreichende Entscheidung bezüglich der exekutiven Befugnisse des Präsidenten. Gleichzeitig deuteten die Urteile jedoch darauf hin, dass dieser Präsident nicht stets die gewünschten Ergebnisse erzielen konnte. Die drei liberalen Richter fanden unerwartete Verbündete unter den sechs konservativen Richtern des Höchstgerichts.
Der erste wesentliche Punkt betraf die umfassende exekutive Autorität über unabhängige Regulierungsbehörden. Vor fast hundert Jahren entschied der Oberste Gerichtshof einstimmig, dass der demokratische Präsident Franklin Delano Roosevelt keine unbeschränkte Macht besaß, Kommissare bei von Kongress eingerichteten Regulierungsbehörden zu ersetzen. Am Montag widerrief das Gericht diesen Präzedenzfall entschieden. Der Oberste Richter John Roberts schrieb in der Mehrheitsmeinung: „Untergebene, die die Macht des Präsidenten ausüben, unterliegen seiner Entfernung.“ Diese Entscheidung verlieh dem Präsidenten und allen zukünftigen Präsidenten weitreichende Befugnisse, Regulierungsbehörden in Dutzenden wichtiger Ämtern zu entlassen und zu ersetzen, mit denen sie nicht einverstanden waren.
Im zweiten Punkt fanden die liberalen Richter Verbündete unter den Konservativen. Während der Gerichtshof den Präsidenten weitreichende Befugnisse über scheinbar unabhängige Regulierer verlieh, zog eine andere Gruppe von Richtern die Grenze bei den Versuchen Trumps, ein Mitglied des mächtigen Bundesreservatsrates zu entfernen. In einer engen Entscheidung von fünf zu vier stellten sich zwei Konservative – Oberster Richter John Roberts und Brett Kavanaugh – den drei Liberalen an, um Trumps Versuche, Lisa Cook vom Vorstand der Zentralbank zu entfernen, zu blockieren. Darüber hinaus verbanden die drei Liberalen Roberts mit der Trump-bestellten Amy Coney Barrett in einer Entscheidung zur Verfassungsmäßigkeit von Wahlgesetzen. Sie lehnten Trumps Behauptungen zur Wahlfälschung ab und betonten, dass dies über den „demokratischen Prozess“ gelöst werden müsse.
Der dritte Punkt betraf den Verleumdungsantrag Trumps, welcher still gescheitert war. Die größte Quelle seiner Verärgerung lag in 28 Seiten Gerichtsbeschlüssen, die am Montagmorgen veröffentlicht wurden. Die Richter wählten bewusst aus, sich nicht mit dem Fall „Trump, Präsident der Vereinigten Staaten gegen Carroll, E. Jean“ auseinanderzusetzen. Das Gericht lehnte die Überprüfung des 5-Millionen-Zivilurteils ab, das aus einer Jury bestand, die befand, Trump habe Carroll verleumdet. Dies markierte wahrscheinlich das Ende der Bemühungen Trumps, das Urteil zu verhindern.
Die Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs verdeutlichten Trumps sowohl seine Freude als auch seine Enttäuschung. Die Urteile setzten neue Maßstäbe für die Auslegung des Gesetzes und beeinflussten die politische Landschaft nachhaltig.