Der Rohölpreis überschritt zum ersten Mal seit zwei Monaten die Marke von hundert Dollar pro Barrel. Diese Entwicklung markierte eine neue Eskalation des Konflikts im Nahen Osten, welche die Störungen der globalen Ölversorgung weiter verstärkte. Der Benchmark-Preis stieg am Donnerstag scharf an, von 95 Dollar am Vortag. Die Befürchtungen bezüglich der Houthi-Miliz, welche die saudischen Ölexporte durch das Roten Meer lahmlegen konnte, sowie die zunehmenden Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran über die Straße von Hormus, trieben den Preis in die Höhe.
Die Unterbrechung zweier kritischer Ölhandelsrouten entfachte neue Ängste. Es entstand die Befürchtung, dass die Ölpreise auf 120 Dollar pro Barrel ansteigen könnten. Dies hätte weitreichende Folgen für Haushalte und die Weltwirtschaft, insbesondere angesichts jahrelanger Energiepreisinflation. Die Aktienmärkte reagierten ebenfalls empfindlich auf die volatile Lage. Die Kurse fielen auf beiden Seiten des Atlantiks, was die Unsicherheit im Nahen Osten und die Sorgen um eine mögliche Blase in den künstlichen Intelligenz-Aktien widerspiegelte. Der Nasdaq-Index in New York verzeichnete einen Rückgang von über zwei Prozent. Aktien von Tesla stürzten um zwölf Prozent, nachdem das Unternehmen niedrigere als erwartete Gewinne meldete und die allgemeinen Bedenken hinsichtlich der Ausgaben für künstliche Intelligenz zunahmen.
Der Konflikt im Nahen Osten breitete aus, als die iranisch geförderten Houthis die Verantwortung für Angriffe auf zwei saudische Öltanker, die Encelia und Layla, annahmen. Sie setzten dabei eine Reihe von ballistischen und kryss-Raketen sowie Drohnen ein. Die Houthi-Milizen führten die Angriffe durch und warfen den Besatzungen vor, eine von der Gruppe im Roten Meer auferlegte Seeblockade verletzt zu haben. Diese Eskalation markierte eine neue Front in der Golf-Ölkrise, fast fünf Monate nach der effektiven Blockade der Straße von Hormus durch Teheran, welche viele als die größte Energieversorgungsstörung der Marktgeschichte ansahen.
In den ersten Wochen nach den Angriffen der Vereinigten Staaten und Israels auf den Iran stiegen die Ölpreise über hundert Dollar pro Barrel. Marktbeobachter prognostizierten Preise von bis zu 150 Dollar pro Barrel, sollte der Ölfluss durch Hormus zum Erliegen kommen. Der Preis erreichte im April einen Höchststand von 126 Dollar pro Barrel während des Konflikts. Im späten Mai fiel er jedoch unter hundert Dollar und erreichte Anfang Juli Tiefststände von 71 Dollar, getrieben durch die Hoffnung auf einen Waffenstillstand in der Region. Der Preis begann danach wieder zu steigen, als das Verständnisabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran zerfiel und neue Feindseligkeiten im Golfgebiet ausbrachen.
Der Markt vermied runaway Ölpreise dank „Pufferfaktoren“, welche den Markt beruhigten, so Fatih Birol, Leiter der Internationalen Energieagentur. Er warnte jedoch diese Woche davor, dass bei der Eskalation der Feindseligkeiten kein Raum für Selbstzufriedenheit existierte. Die Befürchtungen hinsichtlich der wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Krieges erhöhten die Kreditkosten für die größten Volkswirtschaften der Welt am Donnerstag. Investoren verkauften Staatsanleihen der Vereinigten Staaten, Deutschlands und Japans, um die Renditen bei den Staatsanleihen weltweit anzuheben. Im Vereinigten Königreich stieg die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen um etwa 0,1 Prozentpunkte und überschritt damit zum ersten Mal seit Mai die Marke von 5,1 Prozent.