Ostafrika versuchte, den Import von gebrauchten Kleidungsstücken einzudämmen. Dennoch blieb der Markt für Second-Hand-Kleidung in Kenia, wie Gikomba, ein lebendiger Handelsplatz, der trotz starker Regenfälle belebt blieb. Käufer suchten nach gebrauchten Gewändern, wobei einige mit Gummistiefeln durch die überfüllten Wege zogen. Die Handelsströme von Kleidungsstücken aus den Vereinigten Staaten, Europa und China stellten ein ständiges Problem für die Ostafrikanische Gemeinschaft dar, zu der Kenia gehörte. Die Region stellte sich die Frage, wie eine florierende Modeindustrie entstehen konnte, wenn sie mit billigen Überproduktionen überschwemmt war.
Vor zehn Jahren hatte die Ostafrikanische Gemeinschaft den Zustrom von Gebrauchstextilien verurteilt und eine Verbotspolitik für ihre Mitgliedsstaaten geplant. Nach einigen diplomatischen Manövern durch die Vereinigten Staaten brach dieser Vorschlag jedoch zusammen. Die Debatte kehrte nun jedoch in die Öffentlichkeit zurück, angetrieben durch die Notwendigkeit, die lokale Textilindustrie zu stärken. Uganda führte beispielsweise eine zusätzliche Steuer von dreißig Prozent auf Importe ein, um die heimische Bekleidungsindustrie zu fördern und die Umwelt zu schützen.
In Kenia versuchte die Finanzverwaltung, die Besteuerung von Gebrauchstextilien zu ändern, um Importe für Händler zu vereinfachen. Diese Initiative scheiterte jedoch an einem Widerstand der Bevölkerung, die befürchtete, dass dies zu Preiserhöhungen führen würde. Kenia wendete bereits eine Zollabgabe von dreißig Prozent auf gebrauchte Kleidung an, was fünf Prozent über den Kosten für den Versand neuer Kleidung lag. Laut Daten der Plattform des Observatoriums der Ökonomischen Komplexität (OEC) war Kenia zu dieser Zeit der führende Importeur von Second-Hand-Kleidung, bekannt als „Mitumba“, und empfing im Jahr 2022 fast einhundertachtzigtausend Tonnen Gebrauchstextilien.
Die Diskussion um die Beschäftigung in diesem Sektor blieb kontrovers. Befürworter argumentierten, dass der Gebrauchstextilhandel viele Menschen beschäftigte. Kritiker hingegen sahen die Beschäftigung als oberflächlich an und betonten, dass der Einzelhandel nur eine begrenzte Form der Arbeitsplatzschaffung darstellte. Sie bemerkten, dass viele Tätigkeiten im Sektor „hand-zu-Mund“-Arbeiten seien und keine soziale Mobilität erlaubten. Dennoch bemerkten einige Experten, dass Gebrauchstextilien einen wichtigen Dienst leisteten, da sie den ärmsten Menschen angemessene Kleidung zur Verfügung stellten.
Umweltorganisationen kritisierten zudem, dass ein großer Teil der gebrauchten Kleidung, die in Entwicklungsländer verschickt wurde, von solch geringer Qualität war, dass sie direkt auf Deponien landete. Es fehlte an Infrastruktur zur Entsorgung dieser Textilabfälle. Dennoch argumentierten Befürworter der Branche, dass die Verkäufer „Champions der Umweltschonung“ seien. Die Herausforderung lag darin, die Koexistenz von Gebrauchstextilien und lokal gefertigten Waren zu ermöglichen und den Konsumenten die Wahl zu überlassen.