Papst Leo XIV besuchte die Region „Terra dei Fuochi“ nahe Neapel und traf sich mit Familien, die ihre Angehörigen durch illegale Müllentsorgung in diesem Gebiet verloren hatten. Viele Paare teilten Fotos und Erinnerungsstücke an Kinder und junge Menschen, die durch Umweltverschmutzung und ein von der Mafia gesteuertes kriminelles Racket an Krebs und andere Krankheiten starben. Die Besichtigung erfolgte kurz vor dem elften Jahrestag des ökologischen Encyclikals des Papstes Franz, was Leos Engagement für die Umweltagenda seines Vorgängers unterstrich.
Der Papst betonte in seinen Äußerungen, dass er die Tränen jener Menschen sammeln wolle, die durch unverschuldete Personen und Organisationen getötet wurden, welche über lange Zeit mit Freifahrtschein agieren konnten. Er erinnerte daran, dass das Gebiet einst „Campania felix“ genannt wurde, ein lateinischer Ausdruck für fruchtbares Land, das als Hymne an das Leben galt. Dennoch herrschte dort der Tod sowohl der Erde als auch der Menschen.
Das Europäische Gericht für Menschenrechte hatte im vergangenen Jahr eine Generation von Beschwerden bestätigt, die die Verunreinigung durch Maffia, die Bestattung und Verbrennung von Giftmüll und die daraus resultierende erhöhte Krebsrate in 90 Gemeinden um Caserta und Neapel belegten. Das Gericht stellte fest, dass die italienischen Behörden die toxische Verunreinigung bereits seit 1988 kannten, die auf das Camorra-Kriminalsyndikat zurückzuführen war, welches die Entsorgung kontrollierte, jedoch keine notwendigen Schutzmaßnahmen ergriff. Das Urteil gewährte Italien zwei Jahre, um eine Datenbank über den Giftmüll und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken zu erstellen.
Der lokale Bischof Antonio Di Donna schätzte, dass über die letzten drei Jahrzehnte 58.000 Menschen in der Stadt und den umliegenden Gemeinden gestorben waren, wobei er betonte, dass diese Zahl Erwachsene und Opfer in anderen Gemeinden nicht umfasste. Er forderte den Papst auf, jene zu mahnen, welche die Umwelt weiterhin vergifteten, und verwies auf Berichte über die Entsorgung von Tonnen giftigen Abfalls nahe Castera sowie auf weitere kontaminierte Standorte im ganzen Land, darunter den Hafen von Marghera und die Versickerung von „ewigen Chemikalien“ in das Grundwasser nahe Vicenza.
Opfer wie Maria Venturato, die 2016 im Alter von 25 Jahren an Krebs starb, appellierten an den Papst, für die nächste Generation eine Zukunft zu schaffen. Sie blickten auf die Verursacher der Bodenvergiftung und forderten eine Veränderung. Die Situation verdeutlichte die tiefe Verflechtung von krimineller Organisation und Umweltzerstörung, welche die italienische Gesellschaft und das Rechtssystem vor große Herausforderungen stellte.