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Wirtschaft

Paraquat bleibt in Australien erlaubt trotz Parkinson-Befürchtungen

Regulierungsentscheidung enthüllte Konflikt zwischen Wissenschaft und Agrarinteressen

Das Herbizid Paraquat blieb in Australien legal, obwohl über 70 Länder den Einsatz des Pestizids aufgrund von Parkinson-Befürchtungen verboten hatten. Die australische Behörde für Pflanzenschutzmittel und Veterinärmedizin (APVMA) fasste nach einer jahrzehntelangen Überprüfung des hochtoxischen Paraquat und des damit verbundenen Chemikalie Diquat ihre endgültige Entscheidung. Beide Stoffe dienten in der australischen Landwirtschaft weit verbreitet. Die Regulierungsbehörde erlaubte die Nutzung fortzusetzen, legte jedoch strengere Auflagen fest, um das Expositionrisiko für Landarbeiter, Vögel und Säugetiere zu mindern.

Paraquat wurde primär in der großflächigen Landwirtschaft für Getreide, Zuckerrohr, Baumwolle und Gartenbau eingesetzt. Der Chef der APVMA, Scott Hansen, erklärte, dass die Überprüfung hunderter wissenschaftlicher Arbeiten und Langzeitdaten keinen kausalen Zusammenhang zwischen Paraquat und der neurologischen Erkrankung Parkinson nachweisen konnte. Dennoch bestätigte Hansen, dass Beweise für mögliche Auswirkungen auf Landarbeiter durch die Exposition sowie auf Vögel und Säugetiere während des Sprühens vorlagen.

Die Entscheidung der APVMA überraschte nicht, da sie bereits in einem früheren Entwurf thematisiert worden war. Die Kontroverse um Paraquat und Diquat endete nicht, und die australische Vorgehensweise bei der Regulierung landwirtschaftlicher Chemikalien blieb unverändert. Während die Europäische Union und das Vereinigte Königreich Paraquat bereits 2007 verboten, wendeten diese Nationen den Vorsorgeansatz an, indem sie Hersteller zur Nachweispflicht über die Sicherheit ihrer Produkte zwangen. Australien hingegen verfolgte einen risikobasierten Ansatz, bei dem das tatsächliche Risiko nachgewiesen werden musste.

Einige Forscher betonten jedoch, dass die wissenschaftliche Evidenz gegen die australische Position sprach. Melbourne der Neurologe Professor Wes Thevathasan erklärte, dass die globale Konsensmeinung in seinem Fachgebiet besagte, dass die Exposition gegenüber Paraquat eng mit der Entwicklung von Parkinson verbunden sei. Er verwies auf epidemiologische Studien, die zeigten, dass Paraquat das Risiko für Parkinson um das Dreifache erhöhte.

Die Parkinson-Vertreterin Olivia Nassaris äußerte sich enttäuscht über das Ergebnis der Überprüfung und fragte, ob die Leben der Australier weniger wert seien, angesichts der Tatsache, dass siebzig Länder den Einsatz von Paraquat verboten hatten. Die Industrie, vertreten durch Syngenta, verteidigte das Herbizid als unverzichtbares Werkzeug für die konservierende Landwirtschaft und die integrierte Unkrautbekämpfung. Die Branche argumentierte, dass Paraquat eine wichtige Rolle in der australischen Landwirtschaft gespielt habe und für die Erhaltung der Bodenfeuchtigkeit essentiell sei.

Die Behörde verhängte neue Beschränkungen, welche die Anwendungsgrenzen drastisch senkten. Die maximale Applikationsrate für Paraquat und Diquat reduzierte sich von 1.150 Gramm pro Hektar auf 231 Gramm pro Hektar. Zudem wurden neue Vorschriften eingeführt, die den Einsatz von Rücken-Sprühgeräten abschafften und geschlossene Misch- und Beladungssysteme für alle Anwendungen vorschrieben. Diese Maßnahmen zeigten, dass die Interessen der Agrarindustrie in der Regulierung eine entscheidende Rolle spielten.

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