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Wissenschaft

Langfristige Pflege belastet Gehirn: Studien warnen vor kognitivem Abbau bei pflegenden Angehörigen

Überlastung durch Pflegeaufgaben führt zu schnellerer mentaler Verschlechterung

Eine Studie des Vereinigten Königreichs zeigte, dass lange Pflegezeiten für ältere Menschen das Risiko eines kognitiven Abbaus erhöhten. Die Belastung durch die Pflege einer Person über fünfzig Stunden pro Woche führte laut Forschungsergebnissen zu einer beschleunigten kognitiven Verschlechterung bei mittleren und älteren Menschen. Im Gegensatz dazu bewirkte die Pflege in geringerem Umfang – etwa fünf bis neun Stunden pro Woche – das Gegenteil: Sie steigerte die Gehirngesundheit, wobei die Vorteile bis ins hohe Alter anhielten.

Die Forscher betonten, dass die Pflegeverantwortung ein zweischneidiges Schwert darstellte. Während moderate Pflegeaufgaben durch die Interaktion mit Angehörigen oder durch ein Gefühl der Sinnhaftigkeit geistige Stimulation boten, führte die Überlastung durch Pflegeaufgaben genau das Gegenteil herbei. Diese intensive Pflege erhöhte das Risiko, dass die geistige Schärfe und die Entscheidungsfähigkeit der Betroffenen nachließen.

Die Studie verglich die kognitive Gesundheit von 2.765 Pflegenden ab dem Alter von fünfzig Jahren mit jener von 2.765 Nicht-Pflegenden im Rahmen der englischen Langzeitstudie zum Altern. Der Fokus lag dabei auf der exekutiven Funktion, also der Fähigkeit zur Entscheidungsfindung und zum Bewältigen konkurrierender Aufgaben, sowie auf dem Gedächtnis. Die Ergebnisse lieferten den Schluss, dass die kognitive Stimulation durch pflegende Tätigkeiten nur dann förderlich war, wenn die Aufgaben handhabbar blieben.

Die Forschungsergebnisse zeigten jedoch deutlich, dass Pflegende, die über fünfzig Stunden pro Woche pflegten, einen beschleunigten kognitiven Verfall aufwiesen. Diese Intensität der Pflege führte oft zu mangelnder Zeit für Arbeit oder soziale Kontakte, was Gefühle der Einsamkeit und Erschöpfung verstärkte und die negativen Auswirkungen auf die Kognition weiter verschärfte. Die Belastung durch intensive Pflege beeinträchtigte den Schlaf und trug somit zusätzlich zum kognitiven Abbau bei.

Die Zahlen unterstrichen die Dringlichkeit der Situation. Das letzte Volkszählungsjahr 2021 ergab, dass fünf Millionen Menschen unbezahlte Pflege leisteten, und eine Million sie für mindestens fünfzig Stunden pro Woche. Die Organisation Carers UK berichtete, dass 74 Prozent der Pflegenden gestresst oder ängstlich waren und 40 Prozent depressiv. Die Regierung, lokale Verwaltungen und die Gesundheitsdienste mussten mehr Unterstützung für Familienpfleger bereitstellen.

Die Autoren des Artikels forderten die Regierung auf, intensiven Pflegenden durch bessere Zugänge zu finanzieller und Ersatzpflege zu unterstützen. Sie warnten davor, dass die wachsende Nachfrage nach Pflege aufgrund des demografischen Wandels und der Belastung des Nationalen Gesundheitsdienstes auf Familienmitglieder und Freunde abfiel. Die Forschung zeigte, dass die Selbstfürsorge der Pflegenden oft übersehen wurde, und es bestand eine reale Gefahr, dass viele Menschen durch Pflegeverantwortung überfordert wurden.

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