Australische Ärzte verschrieben regelmäßig medizinischen Cannabis mit sehr hohen THC-Werten. Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung zeigte, dass hochdosierte Produkte bis zu viermal die Konzentration des THC enthielten, die in klinischen Studien getestet wurde. Forscher der Monash University evaluierten die verfügbaren Beweise für die Wirksamkeit und Sicherheit von Cannabisprodukten mit höherer THC-Potenz, wie sie in Australien verschrieben wurden.
Die Gesetzgebung erlaubte in Australien keine Obergrenze für die THC-Konzentration in medizinischen Produkten. Produkte der Kategorie fünf, wie getrocknete Kräuter und konzentrierte Extrakte, enthielten beispielsweise zwischen 13 % und 88 % THC. Von über tausend verfügbaren medizinischen Cannabisprodukten underwenten nur zwei eine vormarktliche Bewertung durch die zuständige Behörde für Arzneimittel (Therapeutic Goods Administration) hinsichtlich Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit.
Eine Co-Autorin der Studie, Professorin Suzanne Nielsen vom Monash Addiction Research Centre, stellte fest, dass die geprüften Studien nur Produkte bis zu 22 % THC untersucht hatten. Sie bemerkte einen deutlichen Widerspruch zwischen den verschriebenen Produkten und den vorhandenen wissenschaftlichen Beweisen. Sie empfahl die Behörde, die THC-Konzentrationsgrenzen auf das natürliche Vorkommen in der Pflanze, etwa 35 %, oder sogar auf 22 % zu setzen, wie es in den Studien getestet wurde.
Die Daten der Behörde zeigten, dass chronische Schmerzen und Angstzustände die Mehrheit der Verschreibungen trieben, wobei Produkte der Kategorie fünf die Hälfte aller Genehmigungen ausmachten. Dies geschah trotz Forschungsergebnissen, die zeigten, dass medizinischer Cannabis keine wirksamere Alternative zur Placebo-Behandlung bei Angstsymptomen darstellte. Zudem zeigte eine Analyse von Berichten über unerwünschte Ereignisse, die mit der Behörde eingereicht wurden, dass die Hälfte der Fälle mit den Kategorie-fünf-Produkten in Verbindung stand, darunter akute Schäden wie Psychosen und Suizidverhalten.
Experten äußerten tiefe Besorgnis über die Priorisierung von Gewinninteressen vor der Patientensicherheit. Eine Überprüfung durch die australische Gesundheitspraxisregulierungsbehörde (Ahpra) identifizierte Praktiker, die über zehn Tausend Verschreibungen für hochstarke THC-Produkte in sechs Monaten ausgaben. Der Präsident des Royal Australian College of General Practitioners betonte, dass Gewinne nicht über die Sicherheit der Patienten gestellt werden dürften. Er forderte eine Überprüfung der Produktkategorien und betonte, dass für chronische Schmerzen und Schlafstörungen bereits wirksame, evidenzbasierte Therapien zur Verfügung standen.