Proteste in Madrid zeigten die tiefe Verärgerung über die Wohnungsnot in Spanien. Demonstranten warfen Spekulationsfonds und Investitionsgesellschaften die Hauptschuld für die anhaltende Krise vor. Sie diagnostizierten das Problem als einen Mangel an verfügbarem Wohnraum, wobei Vermieter die Situation ausnutzten, um Mieten anzuheben, während Plattformen wie Airbnb diese Entwicklung weiter befeuerten.
Ein junger Aktivist betonte, dass diese Akteure Wohnraum zu einem reinen Handelsgut machten. Sie kauften Immobilien, erhöhten die Mieten drastisch und verdrängten somit die regulären Bewohner. Diese Geschäftsmodelle führten dazu, dass viele Wohnungen leer blieben oder nur noch für kurzfristige touristische Zwecke genutzt wurden. Die Verdrängung von Mietern, die keine angemessenen Wohnverhältnisse mehr fanden, stellte ein ernstes soziales Problem dar.
Die Politik reagierte auf die Situation mit Notfallmaßnahmen. Der sozialistische Premierminister Pedro Sánchez versuchte, Gesetze gegen jene zu erlassen, die Wohnraum lediglich als Spekulationsobjekt betrachteten. Diese Reformen wurden jedoch vom Kongress abgelehnt, was Sánchez zur Einberufung einer Neuwahl zwang. Ein konkretes Beispiel für die Verknüpfung von Profit und Verdrängung war die Eviction der 87-jährigen Maricarmen Abascal. Nach dem Kauf ihrer Wohnung durch ein Investitionsunternehmen versuchte man sie zu verdrängen und erhöhte die Miete schlagartig, was sie nicht mehr bezahlen konnte. Obwohl die Gesellschaft eine Reaktion zeigte, erlaubte das Unternehmen ihr nicht, in ihre alte Wohnung zurückzukehren, und sie starb im Krankenhaus.
Die Marktdaten belegten die Schwere der Lage. Die Mietkosten stiegen in Spanien im Durchschnitt in den letzten zehn Jahren um 84 Prozent. In Regionen wie Málaga stiegen die Preise um 113 Prozent, und in Marbella um fast 150 Prozent. Diese Zahlen machten den Wohnungsmarkt zum zentralen Anliegen der Bevölkerung. Eine Studie des Zentrums für Soziologische Forschung zeigte, dass ein Großteil der Bevölkerung Maßnahmen gegen jene forderte, die im Wohnungsmarkt eine dominante Rolle spielten.
Zudem zeigte sich ein strukturelles Problem bei der Angebotsseite. Obwohl die Zahl der Haushalte durch Zuwanderung stieg, hielt der Wohnungsbau nicht mit. Die Bauindustrie schrumpfte infolge der Eurozone-Krise, und die Kosten für Baumaterialien stiegen nach der Covid-Pandemie. Experten bemerkten, dass die mangelnde politische Einigkeit rechtliche Hürden für den Neubau schuf. Die Versorgungsbehörden schätzten einen Wohnraummangel von rund 750.000 Wohnungen. Diese Lücke verschärfte die Krise, insbesondere in städtischen Zentren.
Die wirtschaftliche Belastung der Bevölkerung verstärkte die Situation zusätzlich. Studien belegten, dass die durchschnittliche Kaufkraft der Spanier real gesehen um fünf Prozent gegenüber vor zehn Jahren gesunken war. Viele Arbeitnehmer mussten einen Großteil ihres Einkommens für die Miete aufwenden, was die finanzielle Unsicherheit vertiefte. Die Frage nach einer nachhaltigen Lösung für die Wohnungsfrage blieb offen, während die Notwendigkeit einer umfassenden politischen Strategie evident wurde.