Das Rote Kreuz besuchte die in Myanmar festgehaltene ehemalige Staatsführerin Aung San Suu Kyi. Die Hilfsorganisation bestätigte diesen Besuch. Das Treffen fand am Montag statt und folgte Jahren der Fragen bezüglich ihres Wohlergehens. Ihr genauer Aufenthaltsort und ihr Gesundheitszustand blieben seit dem Militärputsch im Februar 2021 weitgehend unbekannt.
Die Militärregierungen in Myanmar behaupteten wiederholt, Suu Kyi sei in „guter Verfassung“. Gleichzeitig wuchs der internationale Druck auf die Regierung, unabhängige Verifizierungsmöglichkeiten zu gewähren. Der Besuch des Roten Kreuzes markierte einen wichtigen Fortschritt in dieser unsicheren Situation. Kim Aris, der Sohn von Aung San Suu Kyi, begrüßte die Nachricht. Er beschrieb das Treffen als „die erste positive Entwicklung bezüglich ihrer Person seit mehr als fünf Jahren“. Er betonte, dass dies ein wichtiger erster Schritt sei, aber nicht der letzte.
Aris äußerte die Hoffnung, dass das Treffen zu größerem humanitärem Zugang, direktem Kontakt mit seiner Mutter sowie zu glaubwürdigen und unabhängig verifizierten Informationen über ihr Wohlbefinden führte. Er forderte schließlich ihre sofortige und bedingungslose Freilassung sowie die Freilassung aller politischen Gefangenen.
Arnaud de Baecque, der Vertreter des Roten Kreuzes in Myanmar, besuchte Aung San Suu Kyi in der Hauptstadt Naypyidaw. Der Sprecher der Regierung gab dies in einer Nachricht bekannt. In Fotos, die von dem Sprecher veröffentlicht wurden, erschien Aung San Suu Kyi in traditioneller burmesischer Kleidung mit Baecque in einem spärlich eingerichteten Raum. Ein weiteres Bild zeigte die ehemalige Staatsführerin beim Anschneiden eines Geburtstagskuchens. Das Rote Kreuz bestätigte anschließend, dass der Besuch gemäß seinen Standards und Verfahren für Besuche von Personen, die in Haft gehalten wurden, vollzogen worden war.
Die Erklärung des Roten Kreuzes betonte, dass solche Besuche den in Haft befindlichen Personen die Möglichkeit gaben, Nachrichten mit ihren Familien auszutauschen. Beobachtungen und Empfehlungen bezüglich des Besuchs wurden ausschließlich und vertraulich den in Haft haltenden Behörden mitgeteilt. Die politische Situation blieb jedoch angespannt. Nach einer militärgesteuerten Wahl, die Min Aung Hlaing zum Präsidenten machte, wurde Aung San Suu Kyi in Hausarrest gestellt. Die neue Militärregierung zeigte sich bislang zurückhaltend, Zugang zu Aung San Suu Kyi zu gewähren. Dies zeigte sich beispielsweise in einer Anfrage der Philippinen, die einen Sondergesandten der ASEAN-Organisation zur Besichtigung ihrer Mutter bat.