FaktenBlitz
RSS
Zurück zur Übersicht
Wissenschaft

Rettung aus dem Tunnel: Überlebende von der Nepal-Flut gerettet

Tiefenbohrungen und technische Expertise ermöglichten die Entdeckung von Überlebenden in einer katastrophalen Situation

Ein Tunnelbauingenieur beschrieb die Rettungsaktion von Überlebenden aus einem blockierten Wasserkrafttunnel in Nepal als eine Abfolge von Wunder. Die Operation fand nach einer massiven Sturzflut an der Nepal-Tibet-Grenze statt, welche bereits 1.300 Menschen getötet hatte. Der Ingenieur Arnold Dix beriet die Behörden für Wasserkraftwerke bei der Durchdringung des blockierten Tunnels zur Anlage Trishuli 3A. Er betonte die enormen Herausforderungen, denen das Team gegenüberstand.

Die erste Hürde bestand darin, die Lage des Wasserkraftwerks in einer Landschaft zu lokalisieren, die durch die Flut nahezu unkenntlich gemacht wurde. Dix erklärte, er habe noch nie eine Rettungsaktion erlebt, bei der ein Eingang zu einem Tunnel gesucht werden musste, der zuvor auf dem Hügel lag, nun aber unterirdisch verborgen war. Die Lawine hatte den Eingang vollständig begraben.

Mit technischen Mitteln suchte Dix und sein Team nach dem Eingang. Sie nutzten alte topografische Karten, Satellitenbilder der Region nach der Katastrophe, Videoaufnahmen von Helikoptern sowie sichtbare Oberflächenmerkmale wie Strommasten, um die wahrscheinliche Position des Eingangs zu triangulieren und den Abbau zu beginnen. Die Entdeckung erfolgte, doch die nächste Aufgabe war die Lokalisierung der Überlebenden.

Die Retter mussten einen Tunnel durchqueren, der vollständig mit Schlamm und Felsbrocken – einige größer als Autos – blockiert war. Um den Weg freizumachen, mussten Sprengstoffe eingesetzt werden. Dix betonte, dass diese Maßnahme nur unter strenger Kontrolle erfolgte, da die Gefahr bestand, Personen im Tunnel zu gefährden oder die Tunnelstruktur selbst zu destabilisieren. Die nepalesische Armee verrichtete die Sprengarbeiten mit großer Präzision.

Parallel dazu entdeckten die Einsatzkräfte, dass der Tunnel weiterhin mit Wasser gefüllt war. Mithilfe von Baggern und Pumpmaschinen gruben die Retter eine Reihe von Gräben aus dem Tunnel bis zum Fluss außerhalb, um das Wasser abzuleiten. Schließlich mussten sie einen Durchgang, einen winzigen Tunnel in der Größe einer Person, durch die Trümmer am Tunnelende schaffen. Dieser Durchgang nutzte die Decke des ursprünglichen Tunnels als Schutz und minderte das Risiko weiterer Überschwemmungen.

In den frühen Morgenstunden hörten die Retter Stimmen. Nach lokalen Berichten riefen sie: „Machen Sie sich keine Sorgen, wir sind hier, um Sie zu retten“, und hörten eine schwache Antwort. Kurz darauf befreiten sie Sanjaya Shah und Kabir Maharjan, die lebend waren. Dennoch blieben Dutzende von Personen im Tunnel gefangen.

Die Suche ging weiter. Dix schätzte, dass sie bereits sechzig Meter vom Eingang entfernt gegraben hatten und noch anderthalbhundert Meter zur Wasserkraftanlage tief im Gebirge benötigten. Das Team hoffte, dass die Trümmer der Flut die Anlage nicht erreicht hatten, da dies zu weiteren Komplikationen führen konnte. Die Einsatzkräfte sahen sich jedoch weiterhin erheblichen Gefahren gegenüber, da Wasser aus vorn und hinten eindringen konnte.

Getrieben durch die erfolgreiche Rettung zeigte das Team jedoch Zuversicht. Sie bewegten sich nun in die sogenannte „Goldilocks-Zone“, eine Region, die als lebensfreundlicher galt und sich in der obersten Ebene der Wasserkraftanlage befand, wo Überlebende vermutet wurden. Die erfolgreiche Durchführung dieser komplexen Operation bewies die Wirksamkeit ihrer Strategie.

NepalKatastropheRettungTunnelbauIngenieurwesen

Teilen

𝕏 Twitter WhatsApp