Der Rhein sank in mehreren Abschnitten Deutschlands und der Niederlande auf Rekordtiefstände. Diese Entwicklung vollzog sich inmitten anhaltender Hitzewellen, welche die Flüsse Europas massiv belasteten. Die Wasserstände in Köln und Lobith, wo der Rhein in die Niederlande mündet, erreichten Werte, die seit Beginn der Messungen nicht mehr erreicht worden waren.
Auch andere bedeutende europäische Wasserstraßen erlebten rekordverdächtige Niedrigstände. Die Donau, die zehn Länder durchfließt, sowie der Po in Italien zeigten ähnliche Verhältnisse. Die EU-Dürre-Beobachtungszentren bestätigten, dass die Dürrebedingungen in weiten Teilen Europas stabil blieben und sich in Mitte Juli in zentral-westlichen Regionen verschärften.
Die anhaltenden heißen und trockenen Wetterbedingungen trieben die Temperaturen in vielen zentralen und südlichen europäischen Ländern über 40 Grad. Das Niedrigwasser des Rheins löste Besorgnis hinsichtlich der wirtschaftlichen Folgen aus. Insbesondere an Engstellen, wie dem Kaub-Standort bei Koblenz, erreichte die Wassertiefe den Rekordwert von 25 Zentimetern im Jahr 2018. Solche geringen Wasserstände schränkten den innerdeutschen Schiffsverkehr erheblich ein.
Die Wasserstraßenbehörden wiesen darauf hin, dass der Transport auf dem Rhein nicht gänzlich eingestellt wurde, jedoch Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden mussten. Es mussten Maßnahmen ergriffen werden, um die Ladungen auf weniger Schiffe zu verteilen, was wiederum höhere Transportkosten und Engpässe in der Versorgung zur Folge hatte. Ein Handelsvertreter bemerkte, dass die Lasten zu gering wurden, um den Transport wirtschaftlich sinnvoll zu gestalten.
Die Dürre auf der Donau verursachte erhebliche Störungen der Energieversorgung in Serbien und Rumänien. Die Wasserknappheit beeinträchtigte Kühlsysteme in Kohlekraftwerken, was zu Produktionsreduktionen führte. Rumänien führte zudem eine kontrollierte Explosion an einem Felsufer durch, um den Wasserfluss zum Kernkraftwerk Cernavoda zu erhöhen. Italien sah den Po-Fluss in seiner längsten Phase einen historischen Tiefstand nahe Cremona. Die Behörden erhöhten den Dürrealarm auf „hoch“, und Experten warnten vor möglichen Störungen der Trinkwasserversorgung.
Wissenschaftliche Studien zeigten, dass der Klimawandel die Evaporation durch höhere Temperaturen verstärkte und Dürrebedingungen wahrscheinlicher machte. Die anhaltende Trockenheit erhöhte zudem die Nachfrage nach Wasser für Haushalte, Landwirtschaft und Industrie. Darüber hinaus beinflussten die niedrigen Wasserstände auch die Wasserstände von Seen und beeinträchtigten die Verfügbarkeit von Süßwasserressourcen. Die Dürre 2022 trug laut dem Copernicus-Klimadienst zur Zunahme von Waldbrandaktivitäten bei, welche wiederum höhere als durchschnittliche Kohlenstoffemissionen verursachten.