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Wirtschaft

Rumänien schloss letzten Kernreaktor, Donau sank auf Rekordtief

Dürre bedrohte Energieversorgung in Nachbarländern und verstärkte europäische Krisen

Rumänien musste seinen letzten funktionierenden Kernreaktor bei seinem einzigen Kernkraftwerk stilllegen. Diese Maßnahme erfolgte, weil die Dürre den Donaufluss auf Rekordtiefen reduzierte. Diese seltene Entscheidung beeinflusste unmittelbar die Stromversorgung in den benachbarten Moldau. Die Dürre und die niedrigen Wasserstände vertieften die Befürchtungen vor einer Energiekrise in ganz Europa, die durch eine neue Sommerhitzewelle verschärft wurde.

Der Donau, dessen Wasser das rumänische Kraftwerk in Cernavoda kühlte, zwang das Unternehmen Nucelarelectrica bereits Ende Juli, einen Reaktor abzuschalten. Am Donnerstag erklärte das Unternehmen, dass der zweite Reaktor aufgrund des signifikanten und anhaltenden Rückgangs des Wasserstands abgeschaltet werden müsse. Es sah keinen Neustart innerhalb der nächsten zehn Tage vor. Die beiden 706-Megawatt-Reaktoren von Nucelarelectrica stellten zwanzig Prozent der Stromerzeugung des Landes dar.

Rumänien erklärte im August einen Zustand der Energie-Notlage und forderte Unternehmen und Haushalte auf, den Verbrauch während der Spitzenzeiten zu reduzieren. Das Abschalten des Reaktors stellte unmittelbare Probleme für Moldau dar, den östlichen Nachbarn Rumäniens. Moldau litt ebenfalls unter niedrigen Flusspegeln und verließ sich auf die rumänische Energie, um bis zu sechzig Prozent seiner eigenen Stromengpässe zu decken.

Da die rumänischen Importe nun nicht mehr verfügbar waren, sah sich Moldau der Aussicht gegenüber, verstärkt auf Einkäufe aus der Ukraine zu hoffen, falls diese die Stromversorgung gewährleisten konnte. Alternativ musste Moldau teurere Energie aus westlichen Ländern kaufen oder schrittweise Stromausfälle einführen. Der moldauische Energieexperte Sergiu Tofilat äußerte sich besorgt und sagte: „Wir sollten uns auf eine Verschärfung der Lage, einschließlich Stromausfällen, vorbereiten, obwohl es im Moment schwer ist, dies sicher zu sagen.“

Das Energieministerium Rumäniens aktivierte eine 330-Megawatt-Wasserkraftanlage mit Holzkohlebetrieb. Es betonte zudem, dass die Versorgungslücke durch erhöhte Windenergie und Wasserkraft – basierend auf dem verfügbaren Wasser in den Speichern – ausgeglichen werden sollte. Als letzte Maßnahme warnte die Regierung davor, dass große industrielle Nutzer in den Abendstunden Einschränkungen unterliegen müssten, um die Stromversorgung zu sichern. Anfang August kündigte die Regierung an, dass die Automobilhersteller Dacia und Ford die Produktion bis zum neunzehnten August aussetzen würden, um dem Stromdefizit entgegenzuwirken.

Die Dürre traf auch nukleare Energieversorger in ganz Europa. Frankreich, das etwa siebzig Prozent seiner Elektrizität aus Kernenergie generierte, verzeichnete diese Woche einen Rückgang der nuklearen Produktionskapazität um mehr als zwanzig Prozent. Dieser Rekorddefizit resultierte aus Ausfällen, die durch Dürre, extreme Hitze und eine Qualleninvasion bedingt waren. Insgesamt waren dreizehn der fünfzigundsiebzig Reaktoren in der nuklearen Flotte von Électricité de France betroffen.

Hungarisch, das Nachbarland Rumäniens, vermied einen vollständigen Stillstand seines einzigen Kernkraftwerks Paks, dessen vier Reaktoren ebenfalls vom Donau gespeist wurden. Angesichts des weiteren Rückgangs des Flusses erklärte der Premierminister Péter Magyar am Mittwoch, die Regierung habe den Bau einer untergetauchten Mauer oder eines Wehrs angeordnet, um die Wasserführung nahe dem Kraftwerk zu kontrollieren. Zwei achtzig Meter lange Barge wurden auch bei Paks stationiert, die versenkt werden konnten, um den Wasserstand anzuheben. Paks, das normalerweise etwa ein Drittel der Energie Hungariens lieferte, wurde seit Ende letzten Monats teilweise abgeschaltet.

Die Dürre in Europa wurde durch menschengemachten Klimawandel verschärft, so warnte die Weltwetterattribution-Gruppe von Wissenschaftlern. Diese Gruppe warnte davor, dass das Problem weiter zunehmen würde. Die niedrigen Wasserstände des Donau, des zweitlängsten Flusses Europas, beeinträchtigten zudem den Schiffsverkehr entlang seiner zweitausendachtausendkilometer langen Route von Westdeutschland bis zum Schwarzen Meer erheblich.

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