In Odesa herrschte eine Atmosphäre der Angst. Die jüngsten russischen Angriffe auf die Schwarzmeerregion stellten die Sicherheit von Hafenarbeitern und die Handelsrouten infrage. Berichte zeigten, wie die Infrastruktur der Häfen beschädigt wurde und Schiffe in Gefahr gerieten. Die unmittelbare Gefahr manifestierte sich in tragischen Verlusten: Ein Kranführer und sein Partner starben nahe einer Explosion, während andere Mitarbeiter durch die Zunahme von Angriffen und Drohnenangriffen in großer Anspannung lebten.
Russland verstärkte seine Bemühungen, die kommerziellen Verbindungen der Ukraine zur Außenwelt zu kappen. Die Küstenlinie des Schwarzen Meeres wurde durch wiederholte Angriffe auf zivile Schiffe und Hafenanlagen bedroht. Im Juli verzeichnete die Hafenverwaltung der Ukraine fünfundfünfzig russische Angriffe auf zivile Schiffe sowie sechzigsieben Treffer auf die Hafeninfrastruktur. Diese Häufung der Angriffe machte das Schwarze Meer zu einem der gefährlichsten Orte für den Schiffsverkehr der Welt.
Ein konkretes Beispiel für die Brutalität der Situation zeigte sich am 19. Juli, als ein türkisch besaßtes Frachtschiff, die Golden Leo, von drei russischen Raketen getroffen wurde. Dies führte zum Tod von neun indischen und syrischen Besatzungsmitgliedern sowie einem ukrainischen Piloten. Das Schiff sank eine Woche später vor Odesa. Experten beurteilten, dass die maritime Handelsroute durch diese Ereignisse massiv gefährdet war.
Die Nähe zu russisch besetzten Gebieten erhöhte die Gefahr für Hafenarbeiter erheblich. Die Mitarbeiter berichteten, dass sie kaum Zeit zur Reaktion besaßen, da Raketen aus der Krim innerhalb weniger Minuten flogen. Die militärischen Behörden erlaubten Besichtigungen der Häfen nur unter strengen Auflagen, um Moskau keine Details über Schäden preiszugeben. Trotz der technischen Eröffnung der Häfen waren die Risiken für die Reedereien zu groß. Viele Schiffe zogen sich zurück, da die Gefahr für das Leben der Besatzungen zu hoch erschien.
Die Blockade der Getreideexporte der Ukraine erfuhr durch den Stillstand der Häfen gravierende Folgen. Die Exportkapazität der Ukraine sank seit Beginn der umfassenden Invasion Russlands um mindestens ein Drittel. Experten prognostizierten, dass die Fähigkeit, Getreide und Ölsaaten an globale Kunden zu liefern, bereits halbe Millionen Tonnen verloren hatte. Die gesamte Lieferkette stand still, was die wirtschaftlichen Auswirkungen der anhaltenden Konflikte verdeutlichte.
Obwohl die Hafenbetriebe geschlossen blieben, zeigte sich auch das Leben außerhalb der Häfen nicht unberührt. Touristen besuchten die Strände, während in der Ferne Sirenen läuteten und Explosionen widerhallten. Auch die Zivilbevölkerung erlebte die Gefahr: Bei einem jüngsten Vorfall wurden Touristen und lokale Bewohner getötet. Die Kriegsführung auf See und in den Häfen führte zu vielen unbeabsichtigten Opfern, was die Tragweite dieses Konflikts unterstrich.