Nach einer ereignisreichen Wahlnacht vergrößerte die linke Opposition in Schweden ihren Vorsprung. Mit 95 Prozent der Stimmen gezählt, erweiterte der Block, angeführt von den Sozialdemokraten unter Magdalena Andersson, seine Führung auf drei Sitze. Die Opposition führte damit 176 zu 173 gegen die regierende Mitte-Rechts-Koalition und ihre rechten Partner in den Schweden-Demokraten. Formal war das Endergebnis jedoch noch nicht feststehend. Es verblieben noch 6 Prozent der Stimmen, wobei etwa zweihunderttausend Stimmen erst am Mittwoch gezählt werden sollten. Der schwedische öffentlich-rechtliche Sender SVT äußerte sich jedoch letzte Nacht zuversichtlich: Er war zu neunzig Prozent davon überzeugt, dass die Opposition den Sieg errungen würde, selbst unter Berücksichtigung aller noch zu zählenden Stimmen.
Der Prozess der Regierungsbildung stand bevor. Das Parlament traf sich erst am 28. September, als es seinen neuen Sprecher wählen sollte. Entscheidungen über die nächste Regierungsperson konnten erst nach dieser Sitzung getroffen werden. Dennoch drohte der Prozess der Regierungsbildung Wochen, wenn nicht Monate in Anspruch nahm. Dies ließ Schweden in einer politischen Ungewissheit inmitten einer beispiellosen geopolitischen Unsicherheit in Europa zurück.
Der Bundeskanzler Kristersson äußerte sich in einer Warnung über die Komplexität des Verfahrens. Er erklärte, dass Schweden keine Regierung hätte, wenn alle Parteien an ihren roten Linien festhielten. Dies deutete auf eine Bereitschaft hin, alternative Mehrheiten für den roten Block zu prüfen. Eine mögliche Option sah die Wechselbereitschaft der Zentrumspartei vor, doch es blieb unklar, wie Kristersson die Akzeptanz einer Regierung mit den rechten Schweden-Demokraten erreichen sollte.
Auch in der Sozialdemokratie fanden Gespräche statt. Hochrangige Vertreter der Partei trafen sich mit der Parteivorsitzenden Magdalena Andersson, um die nächsten Schritte zu besprechen. Die Partei hatte die Umfragen dominiert und war am wahrscheinlichsten, den ersten Versuch der Regierungsbildung zu unternehmen. Es blieb jedoch offen, ob sie die Linkspartei dazu bewegen konnten, eine Zusammenarbeit mit der Zentrumspartei zu suchen, angesichts der innerparteilichen Debatten über die Machbarkeit einer solchen Allianz.
Der Parteisekretär Tobias Baudin bestätigte jedoch, dass er Textnachrichten mit Kollegen aus anderen Parteien ausgetauscht hatte. Er versicherte, dass die Parteien eine Kooperation mit gegenseitigem Kompromiss eingehen würden. Die Parteien signalisierten somit, dass es keine Eile gab, explorative Gespräche aufzunehmen, bis die endgültigen Ergebnisse am Mittwoch oder Donnerstag vorlagen.