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Kultur

Seltener Rubens-Notizbuchblatt in Antwerpen ausgestellt

Ein seltenes Dokument enthüllt Aspekte des barocken Meisters und seiner diplomatischen Anfänge

Vor über vierhundert Jahren durchstreifte der aufstrebende flämische Maler Peter Paul Rubens die Straßen Roms. In der Hand das Notizbuch zeichnete er Bilder aus Renaissance-Werken, die die Kirchen und Palazzi der Stadt zierten. Nun wurde ein seltenes Blatt, das als Teil seines römischen Skizzenbuchs vermutet wird, in seiner Heimatstadt Antwerpen ausgestellt und lieferte neues Licht auf den barocken Meister.

Das einzigartige doppelseitige Blatt zeigte auf einer Seite eine schnelle, spontane Zeichnung in brauner Tinte von drei Männern in klassischen Gewändern, die als Apostel interpretiert wurden. Oben auf der Seite befanden sich einige dicke, gezackte Linien, die als Rubens’ Versuch, seinen Federkiel zu testen, angenommen wurden. Diese drei Figuren waren in keinem bekannten Werk des Malers enthalten, und es blieb unklar, ob der Künstler sie erfindet oder etwas aus Rom kopierte.

Die Rückseite enthielt einen unvollendeten Entwurf eines Briefes an den italienischen Maler Cristoforo Roncalli. Dieser Maler hatte ein Werk für die private Kapelle der Eleonora de’ Medici, der Herzogin von Mantua, angefertigt. Rubens arbeitete zwischen 1600 und 1608 für den Mantua-Hof als Maler. Der Brief, datiert auf September 1607, zeigte Rubens, damals dreißig Jahre alt, wie er den älteren Künstler über den Fortschritt der Malerei für seine „sehr geliebte Dame“ fragte.

Die Kuratorin des Rubenshuis Museums, An Van Camp, interpretierte den Entwurf als einen schwierigen Austausch. Sie erklärte, dass Rubens versuchte, die richtigen Worte und den passenden Ton zu finden, um den italienischen Maler nicht zu beleidigen, aber gleichzeitig klarzustellen, dass er die Malerei für die Herzogin überprüfen musste und die Zeit drängte. Die Handschrift war ungeschickt, mit Korrekturen, während Rubens nach den passenden Formulierungen suchte. Van Camp betonte, dass der Brief aufschlussreich sei, da er einen weiteren Einblick in Rubens als aufstrebenden Diplomaten gewährte.

Das doppelseitige Blatt stellte eine kostbare Ergänzung für das Rubenshuis dar, welches nur zwei Zeichnungen und zehn Briefe von Rubens aus einer späteren Periode besaß. Das Stück konnte im interaktiven Ausstellung „Rubens Experience“ betrachtet werden, war jedoch für die Präsentation in Rubens’ Antwerper Wohnhaus vorgesehen, nachdem dieses spätestens im Jahr 2030 umfassend renoviert worden war.

Viele Werke des alten Meisters blieben in Belgien. Viele seiner Gemälde gingen nach Madrid und Wien, aufgenommen von spanischen und österreichischen Herrschern, die das Territorium der heutigen Belgien im frühneuzeitlichen Zeitraum kontrollierten. Rubens’ Zeichnungen waren in den achtzehnte und neunzehnte Jahrhunderten von englischen und französischen Sammlern gesucht, was seine Werke weiter zerstreute. Die Erwerbung des Notizbuchblatts für Belgien vollzog die King Baudouin Foundation (KBF) für hundertzehntausend Euro. Die KBF sah darin nicht nur ein seltenes Stück eines renommierten Antwerper Malers, sondern auch einen „wirklichen Einblick in das Wesen von Rubens“, so Melanie Coisne, Leiterin des Kulturerbe-Programms der KBF.

RubensAntwerpenBarockKunstgeschichte

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