Eine Welle von Fällen sexueller Misshandlung von Kindern erschütterte die Bildungseinrichtungen in Paris. Ein Schulassistent wurde wegen sexueller Belästigung von Kindern vor Gericht gestellt. Dieser Fall entzündete einen einjährigen Skandal, der das Schulsystem der französischen Hauptstadt tiefgreifend in Aufruhr brachte. Rund hundert Kindergärten und Grundschulen erlebten Ermittlungen, da bei den dort beschäftigten Assistenzpersonal, den sogenannten Animateuren, Vorwürfe unangemessenen, aggressiven oder sexuellen Verhaltens gemacht wurden.
Die Polizei verhaftete in der vergangenen Woche sechzehn Personen im Zuge einer Durchsuchung von drei Schulen im siebten Arrondissement. Mehrere Personen wurden anschließend wegen sexueller Verfehlungen gegenüber Kindern angeklagt. Der aktuelle Fall betraf die Alphonse Baudin Junior School im elbtzehnten Arrondissement, wo der Animateur mit fünf Kindern wegen sexueller Berührung beschuldigt wurde.
Viele Eltern empfanden eine tiefe Verunsicherung und Angst. Sie warfen der Stadtverwaltung vor, die die Beschwerden zunächst nicht ernst nahm. Die Ursache lag in der mangelhaften Qualität der Animateure. Diese Beschäftigten erhielten niedrige Löhne und benötigten oft nur eine grundlegende Zertifizierung für ihre Tätigkeit. Manchmal wurde die Anforderung zur Qualifikation sogar abgeschafft, da die Rekrutierung unter großem Druck stand.
Die Arbeiter selbst sahen sich durch den Skandal einer allgemeinen Verdachtsfalle und Diskriminierung ausgesetzt. Sie veranlassten eine Streik, um Anerkennung und mehr Investitionen in ihren Beruf zu fordern. Ein ehemaliger Assistenzpersonal äußerte sich kritisch zur Reaktion der Behörden: „Die Stadtverwaltung agierte nicht objektiv. Sie untersuchte die Vorwürfe nicht und kümmerte sich nicht um uns.“
Der Bürgermeister von Paris, Emmanuel Grégoire, versprach eine Reform des Rekrutierungssystems. Er stellte zwanzig Millionen Euro für Schulungen und Überwachung bereit. Zudem erklärte er, dass Animateure automatisch suspendiert wurden, sobald eine einzige Beschwerde eingegangen war. Bereits im Laufe des Jahres wurden fast achtzig Animateure suspendiert. Die Situation zeigte, dass ein System ohne angemessene Vergütung oder Überwachung zu Kontrollverlusten führte.