Eine Zunahme der Piraterie nahe Somalia erhöhte die Bedrohung für den Schiffsverkehr. Die maritime Blockade und der Konflikt infolge des Krieges zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran verstärkten die Lage im Golf von Aden. Innerhalb von vier Tagen ergriff man zwei Frachtschiffe, was die Zahl der angegriffenen Schiffe seit Jahresbeginn auf mindestens dreizehn steigerte und unvorhergesehene Drohnenangriffe gegen die Piraten auslöste. Dies stellte die größte Eskalation bei Überfällen seit über einem Jahrzehnt dar und ließ die Sicherheitslage in dieser Region, die für den internationalen Handel von zentraler Bedeutung war, erneut in Frage stellen.
Omar Mahmood, ein leitender Analyst für die International Crisis Group, bemerkte, dass Piraterie stets ein Verbrechen der Gelegenheit sei. Er argumentierte, dass die Piraten nun eine solche Gelegenheit sahen. Diese Chance resultierte aus den Auswirkungen des Krieges auf die regionalen Wasserstraßen weiter nördlich. Der Iran und die Vereinigten Staaten kämpften um die Kontrolle über den strategischen Hormus-Straße. Gleichzeitig verhängten die Houthi-Verbündeten Tehrans in Jemen eine gezielte Blockade im Bab-al-Mandab-Straße, welche den Zugang zum Roten Meer kontrollierte. Diese Maßnahme zielte auf einen Streit mit Saudi-Arabien ab, erhöhte jedoch die Unsicherheit für den internationalen Schiffsverkehr erheblich.
Vice-Admiral Ignacio Villanueva Serrano, Befehlshaber der europäischen Marineeinheit, die den Schiffsverkehr vor der Küste Somalias schützte, vermutete, dass die Piraten glaubten, dass internationale Kräfte sich auf die Krisen in Hormus und Bab-al-Mandab konzentrierten und nicht auf die Suche nach Piraten. Die Piraterie nutzte diese geopolitische Verschiebung aus. Unter den jüngsten von den Piraten angegriffenen Schiffen befand sich ein Kamerunflaggen-Schiff, die MV Lutuf, welches am 17. August vor der Küste der semi-autonomen Region Puntland angegriffen wurde. Wenige Tage später überfielen Piraten einen Ölprodukte-Tanker der Eritreischen Flagge, die MT Sibu 1, in den Gewässern nahe Jemen. Die Übernahme der Lutuf hatte unerwartete Folgen.
Dreizehn Männer, die angeblich ein Netzwerk bildeten, welches die Piraten versorgte, starben bei zwei Drohnenangriffen seit dem 18. August. Obwohl niemand die Verantwortung für die Angriffe übernahm, war die lokale Behörde auf die Türkei verwiesen, da das Schiff türkische Waffen transportierte. Die Lutuf befand sich nun unter sechs Schiffen, die für Lösegelder in Millionenhöhe gehalten wurden, wobei vier davon in der Nähe der Fischerstadt Bander Beyla verankert waren, einem bekannten Piratenrevier. Dies entsprach nicht den Höchstständen der Überfälle vor fünfzehn Jahren, die der Weltwirtschaft Milliarden kosteten.
Experten betonten, dass die Piratennetzwerke zwar unterdrückt wurden, aber intakt blieben, da die schlechten wirtschaftlichen und Sicherheitsbedingungen in Somalia, welche sie ernährten, nicht behoben wurden. Die Resurgence wurde lokal durch den Ärger über ausufernde Fischerei von ausländischen Booten befeuert, welche die Fischereiindustrie in Puntland schädigten. Die regionale maritime Unsicherheit zwang einige Schiffe dazu, näher an die Küste Somalias zu navigieren, um den Konflikt weiter nördlich zu umgehen. Das Überfischen von Öltransportern wurde dadurch lukrativer. Analyst Mahmood erklärte, dass diese Situation eine Gelegenheit signalisierte, da weniger Marinepatrouillen und mehr kommerzieller Schiffsverkehr in diesen Gewässern herrschten. Er vermutete, dass die Piraten nach erfolgreichen Angriffen Kopie-Ereignisse initiierten.
Es bestand der Verdacht auf eine Zusammenarbeit zwischen den somalischen Piraten und den Jemenitern nach der Übernahme mehrerer Schiffe nahe der Küste Jemens. Mahmood vermutete jedoch, dass es sich bei diesen Akteuren eher um kriminelle Elemente handelte als um die Houthi-Verbündeten des Iran, insbesondere da die MT Sibu 1 angeblich Teil einer iranischen „Schattenflotte“ war, die versucht hatte, US-Sanktionen zu umgehen. Die Türkei hatte jedoch ein Interesse an den jüngsten Überfällen. Quellen aus Puntland und eine somalische Regierungsvertreterin berichteten, dass die Lutuf Waffen für eine türkische Militärschulungseinrichtung in Mogadischu transportierte. Die somalische Regierung betonte, dass die Türkei Unterstützung bei der maritimen Sicherheit leistete, jedoch die Anschuldigungen bezüglich der tödlichen Drohnenangriffe nicht entkräftete.