Der spanische Premierminister Pedro Sánchez rief am Freitag zu Neuwahlen auf, nachdem seine Regierung im Parlament eine Mehrheit verlor. Diese Entscheidung erfolgte als Reaktion auf die jüngste Ablehnung seiner Maßnahmen zur Verbesserung der Wohnsituation für Mieter und zur Bewältigung der explodierenden Mietpreise. Parteien auf der rechten Seite stimmten gegen die von Sánchez präsentierten Maßnahmen ab, was die Mehrheit seiner Linkspartei zementierte nicht weiter.
Die parlamentarische Niederlage bestätigte, dass die linke Koalition von Sánchez keine Mehrheit mehr besaß. Die Regierung kämpfte in den letzten Monaten mit erheblichen Schwierigkeiten. Hinzu kamen interne Kontroversen, darunter Fälle von Korruption, die ehemalige hochrangige Figuren der Partei betrafen, sowie Anschuldigungen gegen den ehemaligen Premierminister José Luis Rodríguez Zapatero, der finanzielle Vorteile aus der Rettung einer Fluggesellschaft beanspruchte. Darüber hinaus stand die Ehefrau von Sánchez, Begoña Gómez, wegen Vorwürfen des Missbrauchs von Mitteln und des Einflussnahme vor einem Prozess, den Sánchez und Gómez vehement bestritten.
Parallel dazu hatte die Verwaltung der Regierung Schwierigkeiten, die Krise in Ceuta, dem spanischen Exklave in Nordafrika, zu bewältigen. Dort strömten im Juli über 70.000 Migranten ein. Obwohl die meisten über die Grenze nach Marokko zurückkehrten, wurde die Stadt zu einem politischen und logistischen Problem für den Premierminister. Die öffentliche Empörung über die Wohnungsfrage bot Sánchez somit den idealen Anlass, um frühzeitig Wahlen anzusetzen, fernab der Migrations- und Korruptionsvorwürfe.
Am Montag appellierte Sánchez an seine Wähler und jene auf der linken Seite, die sie aufforderte, sich zu mobilisieren. Er forderte die Wähler auf, eine breitere, progressive Mehrheit zu sichern, mit der die Eliten zu besiegen und soziale Rechte zu verteidigen. Auf der kommenden Wahlkampffläche konnte Sánchez auf die Opposition der rechten Parteien, wie die Konservative Volkspartei und Vox, verweisen, welche die Maßnahmen gegen die Verdrängung von Mietern und den Kauf von Wohnimmobilien ablehnten.
Obwohl die Wohnungsfrage als potenzieller Hebel für die Kampagne diente, zeigte die Umfrage, dass die Sozialisten gegen die Volkspartei zurücklagen. Die größte Herausforderung für Sánchez blieb jedoch die Frage, ob er nach diesen Wahlen an der Macht bleiben konnte.